Demos barrierefreier gestalten

Aus aktuellem Anlass: Auch wenn eine Regierung beschließt, eine Pandemie sei nun vorbei und man könne allüberall auf Masken verzichten, sollten wir weiterhin im Blick behalten, wie hoch die Gefahr einer Ansteckung mit Covid weiterhin ist.

Zumindest mein persönlicher Anspruch ist es, dafür Sorge zu tragen, dass auch vulnerable Menschen, also welche mit Behinderungen, Vorerkrankungen, unter Immunsuppression etc. weiterhin in meinem Umfeld sicher sind und dazu gehören selbstverständlich entsprechend auch Veranstaltungen und Demos in der linken/anarchistischen Szene.

Fragt euch also bitte:

  • Welche Sicherheit können/wollen wir bieten?
  • Wie und wo kommunizieren wir welche Hygienemaßnahmen?
  • Wo sind Masken weiterhin verpflichtend?
  • Worauf können sich Menschen wo verlassen?
  • Wie gehen wir mit unterschiedlichen Situationen um? (in Innenräumen, draußen, Desinfektion, Masken, Tests, Abstand, Lüftung etc.)

Und weiter geht es mit dem ursprünglichen Text: Verlinkt von der Krüppel Pride, bietet dieses Zine schon einmal eine sehr guten Übersicht zum barrierefreien Gestalten von Veranstaltungen und Demos.

http://akmob.kulturrevolution.de/aus.schluss-barrierefrei-veranstalten.pdf

Genannt bei Twitter wird zum Beispiel Angst, „unter die Räder zu kommen“. Deshalb nehmen mitunter Menschen mit Behinderungen sehr selten oder gar nicht an Demos teil oder nur, wenn sie innerhalb einer Gruppe organisiert sind von weiteren Menschen mit Behinderungen.

Es gibt aber natürlich schon einige Dinge, die Demoorganisator*innen berücksichtigen können, um ihre Demo barrierefreier zu gestalten und damit auch mehr Menschen mit Behinderungen eine Teilnahme zu ermöglichen.

Eine unvollständige Checkliste:

* Ankündigungen, Homepage, Plakate, Flyer, Sticker etc. auf Barrierefreiheit checken (Kontraste, Farben, Schriftgröße, Bildbeschreibungen in sozialen Medien, Sternchen statt Doppelpunkt zum Entgendern, Sprache verständlich/Variante mit leichter Sprache etc.)

* An- und Abreise (barrierefreie Bahnhöfe in der Nähe?)

* Wenn Anreise per Bus: Ist der Bus barrierearm, gibt es die Möglichkeit (E-)-Rollis sicher zu verstauen und schnell griffbereit zu haben?

* Wegstrecke (mögliche Stolperfallen, Straßenbahnschienen, Sand, Wiese, fehlende abgesenkte Bürgersteige, Steigungen etc.)

* Bei größeren Events: Übernachtung, Essen, Verfügbarkeit von barrierefreien Toiletten

* Awarenessteam, was nicht verhätschelt

* Ausgebildete Demosanis (die nicht nur Sonnenstich, Pfefferspray, Schlagstock-Vorkommnisse abdecken können)

* Tempo der Demo (auch im Hinblick auf Menschen mit Gehbehinderungen)

* Durchsagen/Reden wie kommunizieren für Menschen mit Hörbehinderungen

* Buddys/Bezugsgruppen organisieren? (Erst recht für Menschen, die bisher wenig Demoerfahrung haben, alleine sind und bei Demos, bei denen Eskalationen zu erwarten sind)

* Bereiche ohne laute Musik

* Cops bitten, Blaulicht auszuschalten oder auf Minimum zu reduzieren (Photosensitivität)

* Weitere Punkte werden entsprechend fortlaufend ergänzt…

Pläne für Notfälle:

* Schutz von Menschen wie organisieren?

* An- und Abreise mit Teams begleiten

* Lautsprecherbesatzung sollte vorhersehbare Gefahren angemessen und transparent kommunizieren

* z.B. weil Demo ins Rennen kommt, Zugriffe/Pfefferspray von Polizei etc., Angriffe von Nazis etc.

* Dafür müssen vorab Menschen (Buddys/in den Bezugsgruppen) benannt werden, die in der Lage sind, den Überblick zu bewahren und erfahren genug sind, dynamische Situationen einschätzen zu können

2 Gedanken zu „Demos barrierefreier gestalten

  1. Rick

    Das ist eine tolle Liste die direkt als Lesezeichen gespeichert wird!

    Aus meiner Demoerfahrung zwei Ergänzungen:
    -wenn Anreise per Bus: ist der Bus barrierearm, gibt es die Möglichkeit (E-)-Rollis sicher zu verstauen und schnell griffbereit zu haben
    – Lautsprecherbesatzung sollte vorhersehbare Gefahren angemessen und transparent kommunizieren

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