Archiv für den Monat: Dezember 2012

Rückblick 29c3

Vorab mal: Ich fand den Congress grundsätzlich gut. Der Ort ist toll, es ist viel Platz, die Orga diesbezüglich hat super funktioniert nach meiner Einschätzung. Der Umzug nach Hamburg ist also absolut gelungen.

Ich besuche seit einigen Jahren Veranstaltungen vom CCC. Die Sigint mehrfach. Den Congress ebenfalls. Ich bin keine Hackerin. Ich kann Computer einigermaßen sinnvoll einsetzen. Programmieren habe ich mal in sehr rudimentären Ansätzen begonnen und leider nicht fortgeführt. (Von den erzwungenen Versuchen mit Turbo Pascal in der Schule damals mal abgesehen.) Ansonsten beschäftige ich mich aber gerne mit den Auswirkungen von Technik auf Gesellschaft und bin im allgemeinen sehr gerne auf derlei Veranstaltungen. Die ersten Talks damals fand ich inspirierend, weil sie mir ermöglichten, gesellschaftliche Probleme aus einer anderen Sichtweise als sonst zu betrachten.

Es gab in all den Jahren immer mal Talks mit verletzenden Sprüchen, die man sicher als Sexismus überschreiben darf. Es gab auch am Rande immer wieder mal Diskussionen über Bilder von nackten Frauen. Ich hatte allerdings über Jahre den Eindruck, dass in der Community Problembewusstsein fehlte. Frauen sollten sich „halt nicht so anstellen“. Sowas tut durchaus weh, aber ich war damals überhaupt nicht in feministischen Kreisen unterwegs und habe, so traurig das ist, das Verhalten mancher Männer als normal abgetan. Als etwas, dem ich aus dem Weg gehe oder gegen das ich sowieso nicht ankomme.
Weiterhin würde ich mich unter den Bedingungen nicht trauen, einen Talk einzureichen. Ich bin nicht kleinlich. Ich habe SchülerInnen ab 15 Jahren aufwärts unterrichtet. Ich kann auch Sprüche ab. Der Hass, der einem aber im Internet entgegenschlägt, wenn man z.B. Sexismus thematisiert oder irgendwo Schwäche zeigt oder einen Missstand ansprechen möchte, der war mir neu.
Ich habe also viele Kongresse und Veranstaltungen relativ unauffällig verbracht…

Dieses Jahr hatten dann ein paar Menschen aus meinem Umfeld die Idee, die Creeper Move Cards (ursprünglich von einer amerikanischen Veranstaltung) auf dem Congress einzubringen. Das war nach meinem Kenntnisstand mit der Orga abgesprochen.

Vor einigen Wochen wollten wir das eigentlich dazu gehörige Awarenessteam bilden. Nach zunächst positiver Rückmeldung via Twitter wurden wir allerdings zurückgepfiffen, weil es bereits ein Awarenessteam gäbe. Ich war bei mehreren Veranstaltungen Teil eines solchen Teams und weiß, wie viel Arbeit das sein kann. Insofern muss ich mich da nicht unbedingt einbringen. Ich hatte aber nach mehreren Gesprächen hier leider auch den Eindruck, dass ein Einbringen nicht gewünscht war.

Bei der Open Mind, bei der ich sowohl im Orgateam, also auch im Awarenessteam war, hatten wir die Creeper Move Cards ebenfalls im Einsatz. Allerdings wurde dort direkt vor der Keynote und vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung von uns darauf hingewiesen, wie wichtig uns eine entsprechend angenehme Atmosphäre ist und dass wir sexistische, rassistische etc. Übergriffe auf keinen Fall tolerieren werden. Wir haben in dem Zusammenhang auch die Karten erklärt, die wir auf jeden Sitzplatz verteilt hatten.
(Das habe ich auch alles beim Policy-Treffen erläutert.)

Den Einsatz der Karten finde ich grundsätzlich durchaus sinnvoll, wenn jemand, der sich belästigt, verletzt etc. fühlt, nicht mehr reden will, sondern eine Grenze setzen. Es gibt dann kein Recht auf Kommunikation. Ein „Nein-Ich will das nicht“ muss auch in Form einer nonverbalen Äußerung reichen. Ein Awarenessteam kann dann eventuell demjenigen, der eine Karte erhalten hat, weitere Kommunikation bieten. Diejenige oder derjenige, der eine Karte verteilt hat, muss das nicht. Eine Person, die sich belästigt fühlt, muss sich zunächst einmal nicht erklären. Und das ist bei den Karten gut.
(Die Koordination von Kartenteam und Awarenessteam war nun auf dem Congress nicht möglich. Aus unterschiedlichen Gründen. Was dann ein Scheitern der Karten fast unausweichlich gemacht hat.)

Die Anti-Harassement-Policy vom Congress ist eine gute Sache:

http://events.ccc.de/congress/2012/wiki/29C3_Anti-Harassment_Policy

Man muss eine solche Policy aber auch leben und da bin ich noch unsicher. Kann man das vorher austeilen? Bei der Auftaktveranstaltung ausdrücklich darauf hinweisen? Ankreuzen lassen bei der Kartenbestellung? An manchen Stellen empfinde ich das Konzept noch nicht als glaubwürdig genug.

Nehmen wir mal an, die Creeper Move Cards seien nicht relevant/wichtig/notwendig: Warum dann die Aufregung?
Wenn sie nicht relevant sind, warum muss man dann derart dagegen wettern? Warum fühlen sich Menschen dadurch provoziert?

Die Existenz der Karten haben eine Diskussion angeregt. Das ist doch toll. Oder nicht?

Gestört hat mich vor allem, wie die Diskussion geführt wurde. Da wurde nach meinem Empfinden an mehreren Stellen massiv Stimmung gegen FeministInnen gemacht.
In der Diskussion waren im Netz zum Beispiel viele sehr abwertende Begriffe. Feminazis etc. Das tut weh. Merkt ihr das nicht?

Ich verstehe auch nicht, was das mit Piraten zu tun haben soll. (Da haben einige Twitterer einen Zusammenhang hergestellt, der sich mir so gar nicht erschließt.)

Mich gestört hat ein zum Teil recht aggressives Verhalten. In Wortwahl. In Handlung. Vielleicht habe ich derart früher ™ als „normal“ in dieser Community gesehen, habe aber mittlerweile (tatsächlich in feministischen Kreisen) festgestellt, dass das nicht normal sein muss und dass es anders geht. Respektvoller.

Worum geht es also? Angst, dass FeministInnen die Community kaputt machen? (Früher ™ hat sich halt niemand über die Bilder von nackten Frauen ohne Kopf aufgeregt?)

Und was für mich auch unklar ist: Es darf doch Projekte geben von „außerhalb“. (Da finde ich die Formulierung aber schon unschön. Wer definiert denn bitte mit solcher Arroganz, wer drin und wer draußen ist?) Aber: Nur Projekte, die auch der Orga gefallen? Oder wie jetzt?

Mich persönlich etwas ausgelaugt haben letztendlich aber eher die gefühlt vielen privaten Konflikte um mich herum. Ich freue mich, wenn es allen (hoffentlich) wieder gut geht danach, fühle für mich selber aber, dass mich das viel Energie gekostet hat.

Noch eins zum Assembly: Es kam die Kritik, dass das Flauscheria-Assembly „verbarrikadiert“ wirkte. Die Aussage kann ich nachvollziehen. Es war wohl der Versuch, einen Rückzugsraum zu schaffen für Menschen, die dies benötigen. Wie kann man sowas besser in eine Veranstaltung integrieren? Oder sind solche Räume generell nicht erwünscht?

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