Archiv für den Monat: Juni 2012

Was nützt das Flauschen in Gedanken?

Flausch. Fand ich eigentlich toll. Bis genau zu dem Moment, wo es mir dann mal einfach wirklich schlecht ging.

Es gab einen eigentlich nichtigen Anlass. Was Privates. Irgendwie war ich emotional überfordert. Passiert schon mal. Das sind die Reste der Borderline-Anteile, die ich ganz gut unter Kontrolle habe. Mit wenigen, weniger heftigen Ausschlägen als früher. Ganz weg sind die Abgründe aber nie. Das macht den Umgang mit mir manchmal schwierig. Vor allem für die, die mir wirklich nahe sind. Erst dann treten ja überhaupt Probleme auf.

Was daraus resultiert, ist aber der eigentliche Aufhänger. Ich habe Zweifel. Zweifel daran, ob „Flausch“ funktioniert. Zweifel an der Echtheit, der Ehrlichkeit von dahingerotztem Flausch. Sicher. Menschen meinen das durchaus gut. Sie schicken Flausch, um etwas besser zu machen. Das mag bei kleinen Krisen funktionieren. Wenn es aber ernst wird, hilft kein Flausch. Ehrlich gestanden habe ich das in der Situation sogar als zynisch empfunden. Ich hätte echt böse Kommentare schreiben können als Reply. Habe ich nicht. Stattdessen habe ich mich zurückgezogen. Leute entfolgt oder geblockt bei Twitter. (Bitte verzeiht mir. Vielleicht ist es nicht so, dass ich euch nicht mag, sondern, dass ich euch zu viel mag und ich nicht damit umgehe kann, dass ihr nicht mal gemerkt habt, wie es mir geht oder noch schlimmer: Dass ihr es ignoriert habt.) Nachgedacht über dieses Internet und die Kontakte, die man darüber hat. Über Oberflächlichkeit und was eigentlich wirkliche Freunde sind.

Ich sehe die Probleme bei mir. Wenn man Hilfe/Kommunikation will, muss man den Mund aufmachen. Geht aber nicht. Warum? Weil ich, wenn ich so furchtbar verletzlich bin, eben so viel Angst vor Zurückweisung habe, dass ich dann nicht bitten kann. Ich könnte nicht mehr verarbeiten, wenn mir dann jemand sagt, er habe keine Zeit oder keine Lust oder was auch immer (alles legitime Gründe).

Gut ist: Diese Phasen gehen wieder vorbei. Da ich das weiß, kann ich mehr oder minder entspannt darauf hoffen.
Schlecht ist: In solchen Phasen neige ich zu radikalem Handeln. In vielerlei Hinsicht kann das problematisch sein. Im günstigsten Fall lösche ich den Twitteraccount. Im Affekt. Und heule dann weiter. Die schlimmeren Möglichkeiten erspare ich euch an dieser Stelle.

Am Ende waren dann drei oder vier Freunde (übrigens sowohl aus dem Meatspace, als auch aus diesem Internet) wirklich da. Übers Netz, im Chat, am Telefon und hatten die Zeit, mit mir meine Gedanken zu sortieren (auch nachts), den Schmerz zu lindern, den Fall abzumildern. Vielleicht funktioniert die Peergroup also doch. Die Freundschaften, die diese Phasen überstehen, halten dann immerhin oft auch über viele Jahre. Egal, wo ich diese Menschen kennen gelernt habe. Kate Bush zitieren: „Please be kind to my mistakes.“ Danke!

Die Kleiderordnung

Ich muss schon wieder Hesse zitieren. Vermutlich hätte ich mich mit ihm gut verstanden…

„Jeder von uns muß für sich selber finden, was erlaubt und was verboten ist – ihm verboten. Man kann niemals etwas Verbotenes tun und kann ein großer Schuft dabei sein.“ (Hermann Hesse. Lektüre für Minuten. Suhrkamp. S. 78, ursprünglich aus Demian)

Übertragen also: Man kann einen Anzug tragen und ein Schuft dabei sein. Man kann einen Anzug tragen und schlechte Politik machen. Der Anzug ist für mich das Synonym für respektlosen Umgang mit Teilen der Bevölkerung. Historisch gesehen sind es selten Männer im Blaumann oder mit bunten Haaren gewesen, die fatale Entscheidungen getroffen haben, oder? Ist es es wirklich so, dass man Respekt (oder das Fehlen dessen) an der Kleidung ausmachen kann? Respekt wem gegenüber?

Einschub: Es geht um diese Diskussion: (via Spon) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/piraten-sorgen-mit-schlabberlook-fuer-beschwerden-im-parlament-a-839401.html

Und hier hat sich Daniel Düngel dazu geäußert: http://blog.duengel.com/2012/06/17/53-stunden-ohne-piraten/

Schule: Abschlussfeier. Ich habe mich durchaus auch schon mal über Schüler geärgert, die bei diesem doch so feierlichen Anlass mit Jogginghose und bedrucktem Schlabbershirt aufgelaufen sind. Da bin ich wohl auch schon sehr Teil des „Systems“. Vielleicht muss ich auch da jedem die Freiheit lassen, den Anlass nach seinen Werten zu beurteilen und entsprechend die Kleidung zu wählen. Cool wäre da eigentlich, wenn dieses Brechen der Normen nicht von den Hauptschülern käme. Da erwartet man das irgendwie. Sondern von den Einser-Abiturienten (die das allerdings natürlich nie tun würden).

Mitglieder anderer Parteien sagen mir ja gelegentlich unter der Hand, dass man von uns erwarte, dass wir die Regeln brechen, die Normen hinterfragen. In manchen Fällen klingt es wie eine Bitte. Im Moment passiert das aber gerade nicht. Gerade wir gehen da in vorauseilenden Gehorsam über. Alle Normen noch besser erfüllen, bloß nicht anecken, bloß nicht auffallen, bloß nicht provozieren. Ich höre abwertende Bemerkungen über Frau Milz. Aus unseren Reihen. Kann man sich gar nicht ausdenken. Wie ernst ist uns das mit dem Anerkennen von Individualität? Da ist also eine Dame aus der CDU mutiger als wir. Einfach mal sacken lassen.

Das Übernehmen der Regeln der Etablierten geht mir zu schnell. Dieser Anpassungs- teilweise Anbiederungsprozess geht schneller als das bei den Grünen je der Fall war. (Dabei behalten viele aber die große Klappe bei gegen die anderen Parteien.)
„Wir“ finden die Schuldenbremse toll. (An der Stelle könnte/müsste/sollte man auch vielleicht mal hinterfragen, ob Wirtschaftspolitik in der Form überhaupt funktioniert?) Ich finde, wir sollten fast ausnahmslos alles hinterfragen. Fundiert, aber auch mal mutig.

Piraten waren doch eigentlich nicht die, die möglichst schnell die Regeln der Obrigkeit übernehmen oder habe ich da was falsch verstanden?

Wir als Mandatsträger gehören zu den „Privilegierten“. Mehr als bei großen Teilen der Bevölkerung sehe ich uns in der Pflicht. Siehe das Beispiel mit der Schulfeier. Die Privilegierten müss(t)en die Regeln brechen, um etwas wirklich zu verändern.

Weiterführend hat Herr Martenstein passend dazu über den „Terror der Tugend“ bei Zeitonline geschrieben:

http://www.zeit.de/2012/24/DOS-Tugend

SSV – Sektchen und Schnittchenveranstaltungen

Hochglanzoutfits. Smalltalk. Schöne Menschen. Falschheit? Zumindest aber: Show. Oberflächlichkeit. (Bin ich da jetzt zu negativ?) Ich glaube, ich tauge für sowas nicht. Es ist ja gar nicht so, dass ich im Kostümchen oder Kleidchen mit Strümpfchen mit Naht und bravem Make-Up und braver Frisur nicht auch recht ordentlich aussehen kann. Es fühlt sich aber irgendwie merkwürdig an (und ehrlich gestanden hoffe ich, dass das so bleibt). Ich bin dann in Versuchung, den Anfang von Hesses „Steppenwolf“ zu zitieren. Irgendwas mit „Zufriedenheitsgott“ und Mittelmaß und der Sehnsucht nach Schmerz, nach dem Echten.

Vermutlich muss man da durch als „Profipolitiker“ (schon wieder das Gefühl von Würgen). Es ist ja durchaus toll organisiert. Auch letzte Woche bei der Preisverleihung beim LWL. Großartige Projekte, die geehrt wurden (das fand ich wirklich beeindruckend). Großartige Lokation (Erbdrostenhof, Münster). Fantastische Musiker. Leckere Schnittchen. Teurer Sekt.

Heute also Ähnliches: „Amtseinführung der Leitenden Oberstaatsanwältin und Würdigung ihrer Amtsvorgängerin“. Und jetzt kommt es ganz dick: Als MdL sitzt man dann erste oder zweite Reihe. Da kann man nicht mal in Ruhe und unbeobachtet twittern.
„Sie sind doch sicher von den Piraten.“ Mist. Am Gerät erkannt.

Ich schwanke also. Repräsentative Pflichten gehören schon auch dazu und ich sehe durchaus, dass Veranstaltungen zu Ehren von Menschen und deren Arbeit wichtig sind. Aber ich bin da Schmuck. Nicht als Mensch, sondern als Funktion.

Veränderungen kann man an der Stelle quasi gar nicht verhindern. Menschen begegnen einem auf einmal komplett anders. Man trifft auch auf Menschen, mit denen man sonst im Leben nichts zu tun haben würde. Und alle gehen anders mit einem um. Beispiel Bahnfahrt. „DIE FAHRKARTEN BITTE.“ Tonfall. Unfreundlich. Und jetzt zückt man diese Fahrkarte, die einen als Abgeordnete/n ausweist. Der Tonfall ändert sich sofort. (Wenn er nicht gleich in devote Unterwürfigkeit umschlägt, wird er zumindest deutlich freundlicher.)

Zurück zu unser heutigen Veranstaltung bei der Staatsanwaltschaft. Die Reden (aber erinnert mich bitte daran bei ähnlicher Gelegenheit nicht unbedingt Goethe zu zitieren) waren angenehm. Reden beendet man hier aber wohl noch mit „Glück auf“. Zumindest taten das manche Redner.

Am Ende der heutigen Veranstaltung habe ich ein paar Mitglieder des (wirklich großartigen) Chors kennen gelernt (und eine Einladung bekommen, dort mitzumachen.)

Einen Sekt getrunken. Auf nüchternen Magen. Schnittchen erspart, weil nicht vegan.

Piratenfraktionentreffen

Schon der Name klingt sperrig. Irgendwie war es auch die gesamte Veranstaltung.

(Das ist nicht mal so sehr Kritik an der Orga, mehr am Gesamtkonstrukt, noch mehr an dem Gefühl, dass einige offen sagen, es sei toll gewesen und anders denken. Die Presse hört ja zu. Oder ist das jetzt schon zu böse?)

Es war halt ein Versuch. Alle Piratenfraktionen treffen sich zu einem Austausch. Die Idee ist gut. Mein Problem ist auch, dass ich nicht einmal genau benennen kann, was ich an Erwartungen hatte. Vielleicht wäre sowas wie ein Barcamp gut gewesen für mich. (Für andere funktioniert aber vielleicht der hier versuchte Ansatz wirklich.)

Also von vorne: Wir haben uns mit ca. 35 Mandatsträgern im Abgeordnetenhaus getroffen. Mit einer Vorstellungsrunde zu starten, ist sicher gut als Einstieg. Danach wurde über die Tagesordnung abgestimmt. Stream, Protokoll. Alles prima.

Problematisch fand ich die Arbeit in der großen Runde. Das kann man eine Weile machen, aber ich finde das recht schnell unglaublich ermüdend und langweilig. Streit über Liquid Feedback interessiert mich auch gar nicht so sehr zum Beispiel.
Wenn wir hier als Barcamp hätten ansetzen könnten mit Timeslots von einer Stunde, wäre es zumindest für mich lohnender gewesen.

Irritierend finde ich auch die Aussage, wir seien nun Profipolitiker. Ich muss nochmal in Ruhe darüber nachdenken, warum ich den Begriff als beleidigend empfinde. Es ist wohl das Klischee vom Politiker, was ich da vor Auge habe und weshalb ich denke, man möge mich bitte deutlich darauf hinweisen, sollte ich je so werden. (Erschießen wäre vielleicht etwas sehr krass.) Professionalisierung (im Sinne von Gunter Dueck) halte ich für erstrebenswert. Was also stört mich? Das Fehlen von Authentizität? Von Echtheit?

Was bedeutet aber Professionalisierung weiterhin? Muss das wirklich bedeuten, dass wir nicht geschlossen zur ACTA-Demo gehen, damit die Presse nicht vergrätzt wird, die in der Zeit auch Interviews führen könnte? Bedeutet es, dass wir im Sommerloch besonders vorsichtig twittern müssen, damit ja nicht ein Medium einen Skandal daraus macht? Müssen wir jetzt alles mehrfach wenden, bevor wir es veröffentlichen, sagen, schreiben? Müssen wir auf Partys aufpassen, nicht betrunken erwischt zu werden? Oder gar auf einer Party erwischt zu werden, deren reine Existenz schon anstößig ist? Was ist mit den Tweets aus der Wanne? Oder mit denen über Liebeskummer? Oder über sexuelle Gier? Ist das nicht irgendwie die Doppelmoral, die wir doof finden bei anderen Parteien? Wie schnell bewegen wir uns jetzt in vorauseilendem Gehorsam genau in deren Richtung?

Ich habe Angst.

Am Anfang meiner Lehrerkarriere sagte mal ein Schüler in einem ruhigen Moment nach einer Veranstaltung zu mir: „Bitte werden Sie nie wie die anderen…“

Vielleicht ist das jetzt wichtiger denn je…

Stellenausschreibung Sachbearbeiter

Wir haben hoffentlich jemanden gefunden.  Insofern habe ich die Mailadresse entfernt.

Danke für die vielen Bewerbungen!

Das war die Ausschreibung:

Zur Unterstützung unserer parlamentarischen Aufgaben suchen wir (Torsten Sommer und Birgit Rydlewski) baldmöglichst einen Sachbearbeiter beliebigen Geschlechts als erweitertes Gehirn, rechte Hand, Rückenfreihalter, Händchenhalter, Organisator, Arbeitswegschaufler etc.

Folgende Aufgaben werden auf Dich zukommen:
Administrative Tätigkeiten wie allgemeine Schreibarbeiten, telefonische und schriftliche Anfragenbearbeitung;
Organisation, Terminkoordination, Veranstaltungsplanung;
Strukturierung von Arbeit, selbständige Organisation eines MdL, Literaturrecherche; Unterstützung bei allen Aufgaben, die im Zuge der Mandatstätigkeit anfallen.
Ideal wären folgende Eigenschaften und Kenntnisse:

Professionelle Kommunikations- und Organisationsfähigkeit sowie ein strukturierter selbständiger und effizienter Arbeitsstil;
Kenntnisse der nordrhein-westfälischen Politik, der Inhalte der PIRATEN und politisches Gespür;
Ein kommunikativer, team- und zielorientierter Arbeitsstil;
Gute Umgangsformen und kommunikative Fähigkeiten;
Mobilität, Flexibilität;
Sicherer Umgang mit gängigen Computeranwendungen sowie Bereitschaft und Fähigkeit, sich in neue Anwendungen einzuarbeiten.
Besondere körperliche Voraussetzungen sind nicht erforderlich.
Unterschiedliche kulturelle sowie sprachliche Kenntnisse werden
ausdrücklich gewünscht

Parlamentarische Erfahrung wäre ein Plus. Arbeitsort wird Düsseldorf sein. Teilzeitbeschäftigung wird angestrebt (20 Stunden) Die Entlohnung erfolgt nach Vereinbarung.
Das Stellenangebot ist längstens bis zum Ende der 16.
Legislaturperiode befristet und wird einzelvertraglich vereinbart.

Wir bieten eine interessante, herausfordernde und abwechslungsreiche Tätigkeit im Zuge unserer Mandate im Landtag NRW.

Wenn Du Dir vorstellen kannst, uns mit Freude und Begeisterung bei den auf uns zukommenden Aufgaben zu unterstützen und den Anforderungen weitgehend entsprichst, sende bitte eine aussagekräftige Bewerbung samt Lebenslauf, Arbeitszeugnissen, Gehaltsvorstellung und der Angabe des frühestmöglichen Dienstbeginns ohne Foto an.

Tagebuch 4./5.6.

Gestern und heute war Fraktionssitzung in Düsseldorf.

Uns beschäftigt da aktuell die heutige Sonderplenarsitzung z.B. zur Sache mit der WestLB.

Ansonsten bleibt viel Organisatorisches zu regeln. Beispiele: Wer bekommt welchen Raum als Büro im Landtag? (Die 6. Etage steht erst in ca. drei Wochen zur Verfügung. Das wäre mir persönlich aber egal. Ich hätte gerne langfristig noch eine Sachbearbeiterin oder einen Sachbearbeiter mit Toso zusammen und da böte es sich an, dass wir nebeneinander sitzen.)

Weiterhin gibt es eine lustig bunte Matrix darüber, wer eventuell welchen Ausschuss besetzen möchte. Dies haben wir mit Hilfe eines Rankings, welches jeder Abgeordnete angeben konnte, erstellt und es besteht die Hoffnung, dass wir so möglichst alle zufrieden und gleichmäßig belastet sind.

Ich mache heute den Vertrag mit meinem persönlichen (wiss.) Mitarbeiter (über 20 Stunden). Wie ihr wisst, ist der Mann Mitglied der SPD. Kompetenz war mir aber da wichtiger. Wir haben ja auch als Fraktion mittlerweile Arbeitskräfte aus unterschiedlichen Parteien;-) Damit bleibt aber eben auch noch etwas Geld übrig für einen mit Toso geteilten Sachbearbeiter sowohl im Landtag, als auch im Büro in Dortmund.

Das bringt uns zu dem Punkt, um den ich mich morgen kümmern möchte. Wir wollen uns zu dritt ein Büro in Dortmund teilen. Offensichtlich gibt es aber bei manchen Vermietern Vorbehalte gegenüber „Piraten“. Von manchen Vermietern/Immobilienunternehmen haben wir nicht einmal eine Antwort bekommen. Trotz mehrfacher Nachfrage (auch telefonisch).
Strange.

Man kann über die Termine im Landtag hinaus, schätze ich, auch locker den halben Tag mit Einladungen verbringen. Morgen zum Beispiel fahren wir zum Arbeitsamt Dortmund zu einem Gespräch. Danach die Woche eventuell nach Hagen (Montag) – irgendwas mit der A45 und am Dienstag Abend zum LWL (eine Preisverleihung in Münster).

Die konstituierende Sitzung des Landtages NRW

Den ersten formellen Teil haben wir dann wohl überstanden. Gestern hat sich der Landtag NRW konstituiert.

Wir waren alle sehr feierlich gekleidet. Ich fand das durchaus für den Anlass angemessen. Keine Ahnung, was die Presse erwartet hat;-)

Hier findet ihr das Video der Sitzung.

Am Anfang kam der Eintrag ins „Klassenbuch“ über die Anwesenheit. Da fehlt natürlich niemand unentschuldigt. Aber alle mussten mit „Ja“ antworten und aufstehen, als sie aufgerufen wurden.

In weiten Teilen ist so eine Sitzung mit mehreren Wahlgängen langweiliger, als ich gedacht hatte. Irritiert war ich über das Verhalten der Abgeordneten der FDP und der CDU bei der kurzen und guten Rede von Verena Schäffer (Grüne). Diese hatte darauf hingewiesen, dass wir nicht „dem deutschen Volk“ sondern allen Menschen in NRW verpflichtet seien. Eine Änderung der bestehenden Formel könnte ich sofort zustimmen. Vielleicht lässt sich das gemeinsam mit SPD und Grünen bewerkstelligen. Die CDU und die FDP waren recht offenkundig nicht sehr davon angetan. Herr Lindner drehte sich demonstrativ weg von der Rednerin und redete mit seinem Nachbarn. Ähnliche Szenen gab es auch bei der CDU. Es klatsche aus den beiden Fraktionen niemand nach der Rede. So richtig demonstrativ. An den Stellen bin ich nicht sicher, wer da von wem lernen sollte….

Aus den Reihen der SPD und von den Grünen habe ich mich auch sehr nett aufgenommen gefühlt. Sogar Frau Kraft hat uns mit Handschlag begrüßt. Bei der CDU und der FDP hatte ich dieses Gefühl, willkommen zu sein, nicht so. Zumal die so normale Fraktionsmitglieder scheinbar eher ignorieren. Ich schätze, mit Joachim und Monika und Daniel werden sie schon reden;-)

Das Präsidium wurde in recht langwierigen Wahlprozessen einzeln gewählt. (Sagt nie wieder was über unsere Parteitage.) Natürlich gibt es keine Gegenkandidaten und im Normalfall läuft das alles ganz fluffig durch. Etwas weniger Stimmen hatte Herr Dr. Papke von der FDP. Sogar weniger als unser Daniel. Neue Präsidentin des Landtage ist Frau Gödeke von der SPD, die eine sehr sympathische Rede über mehr Bürgerbeteiligung etc. hielt.

Ich hoffe, wir können Sie darauf festnageln. Mir schwebt nämlich vor, dass auch sowas wie Ausschüsse gestreamt werden könnten. Es heißt doch immer, dass dort die ganze Arbeit eines Landtagsabgeordneten passiert. Letztendlich ist das bisher aber eine ziemliche Black Box für den Bürger. Ich fände es toll, wenn wir das ändern könnten.

Einen Haken gab es noch am Ende bei den Abstimmungen. Da ging es um Drucksache 16/3:

Die Erhöhung der Mitarbeiterentgelte finde ich richtig. Schwieriger ist der Teil mit den Diäten der Abgeordneten. Es ist natürlich gut, dass für 2012 eine Erhöhung ausbleibt. Deshalb haben wir auch zugestimmt. Allerdings enthält das Ganze so einen Automatismus für die Erhöhung, den man zumindest nochmal hinterfragen muss.