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Dahin gehen, wo es weh tut oder die Legitimation entziehen?

Nach dem 29c3 wollte ich -aus Gründen- nie wieder zu einem CCC-Kongress.

Feminismus – sehr schwierig und konfliktreich bis zu sehr persönlichen Angriffen
Antifa – gefühlt nicht anwesend
Anarchismus – kein Thema

Und nach dem letzten Jahr für einen kurzen Besuch mit Tagesticket nun doch nochmal die Teilnahme an einem ganzen Kongress. Als Versuch quasi. Mein (sehr subjektiver) Eindruck in Kürze:

Es wird besser. Das politische Zeichen einer Newcomerin als Keynote-Speakerin (@fatumamuusa präferiert diesen Begriff anstatt Refugee.)

Ich habe von ihr einen Workshop zu Empowerment besucht, den ich vor allem wegen der interessierten, warmen Worte der anwesenden Menschen dort in Vorstellungsrunde und Diskussion als sehr bereichernd empfunden habe. 

Aufhänger für meine jetzt im Nachhinein dann doch recht grüblerische Stimmung ist dieser Tweet von @tante (den ich sehr schätze und den Einwurf entsprechend sehr ernst nehme):

  

Und nun weiß ich einfach nicht recht, wie ich das für mich einordne. Ich kann nur Bruchstücke des Kongresses bewerten. Ich habe mich viel im Umfeld der Wohlfühlblase bewegt. Wir/ich haben/habe viele Diskussionen geführt mit Menschen, die zum Anarchist Assembly kamen. Auch mit Menschen ohne Vorkenntnisse, die halt wissen wollen, was eigentlich „die Antifa“ ist. (Finde ich übrigens super, wenn Menschen kommen und gerne auch ganz naiv fragen aufgrund der aufgehängten Fahne „Antifaschistische Aktion“.) Klar. Da waren auch die bei, die gleich mal einsteigen mit „Ah. Ihr seid die, die die Steine schmeißen.“ (Schwer zu sagen, wie viel dann Scherz ist.) Aber auch über Militanz kann und muss und wird man halt immer wieder diskutieren. Und natürlich gab es auch Diskussionen über Definition der Bezeichnung „Nazi“ und Meinungsfreiheit…

Diskussionen über Anarchismus waren dann eher längere Gespräche, durchaus mit viel Interesse und unterschiedlichem Komplexitätsgrad. Was Anarchismus bedeutet. Und darüber, wie bereichernd Beziehungen sind und Zusammenarbeit ist, wenn sie wirklich auf Freiwilligkeit beruhen/t. Ob dies auf eine Gesellschaft übertragbar ist. Ob das lebbar ist. Welche Hierarchien es gibt. Welche Widersprüche es gibt. (Und da bin ich wandelndes Beispiel mit Job und Ideal….)

(Dass (junge) Menschen wieder Kropotkin lesen wollen, hätte ich jedenfalls nicht erwartet.)

Ich bin nicht sicher, ob es diese Diskussionen so vor einigen Jahren schon in dieser Ausprägung gab. 

Allerdings lässt das keine Schlüsse über den gesamten Kongress zu. Die von @tante erwähnten Menschen mit derartigen Einstellungen kommen vermutlich nicht zu einem Assembly mit prominent aufgehängter Antifa-Fahne. 

Aber zurück zu meinen Eindrücken: Beim Treffen der Queer Feminist Geeks am 1. Kongresstag waren ca. 110 Menschen. Das ist auf die gesamte Anzahl Kongressbesucher*innen geschaut relativ wenig, aber angesichts der vielen gleichzeitig verlaufenden Veranstaltungen und Ablenkungen doch wiederum sehr erfreulich. Für mich ein wenig schade ist, dass ich mich zu dem Assembly nicht so recht hingetraut habe. (Das mag aber an mir und aktueller emotionaler Verfassung liegen, nicht am Assembly.)
Bis hin zu den kleinen Dingen. Unisex-Toiletten, die nach meinem Eindruck unkompliziert funktionierten. Überhaupt hatte ich oft -gerade auch von männlich wahrnehmbaren Menschen- das Gefühl, von sehr rücksichtsvollem, aufmerksamen, hilfsbereiten Umgang. Das ist mir sehr viel häufiger aufgefallen, als früher ™. Danke für all diese positiven Begegnungen.

Aktuell tendiere ich also dazu, nächstes Jahr wieder hinzufahren, weil ich hoffe, dass all die geführten Diskussionen helfen, Menschen zu erreichen, die sich sonst eben nicht mit obigen Themen beschäftigen. Und weil ich dort (jetzt wieder) die Hoffnung für Weiterentwicklung in emanzipatorische Richtung habe.

Landesaktionsplan gegen Gewalt gegen Frauen

Heute findet die letzte Sitzung der Landesaktionsplan-Steuerungsgruppe „Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in NRW“ statt.

Subjektive Sitzungsprotokolle finden sich auf meiner Seite.

Ich bin glatt ein wenig wehmütig. Vor allem, weil dort immer sehr spannende Menschen (Frauen vor allem) waren aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Aus der Rechtsmedizin, von Frauenhäusern, vom Ministerium natürlich, von ganz unterschiedlichen Gruppen, Einrichtungen, Initiativen, die sich alle auf unterschiedliche Art mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ beschäftigen und diese auf unterschiedliche Art bekämpfen.

Natürlich geht es auch da um Finanzierung, z.B. von Frauenhäuser, von Beratungsstellen, auch um ASS (Anonyme Spurensicherung) etc. Aber eben nicht nur. Es geht auch darum, was man trotz des wenigen Handlungsspielraums im Haushalt von NRW eigentlich machen könnte.

Insofern ist diese Sitzung und vor allem der dann kommende Prozess spannend. Was daraus wird sich wirklich in politischer Arbeit widerspiegeln oder z.B. in der Öffentlichkeitsarbeit/der Aufklärung? Was davon kann man politisch umsetzen?

Themen der einzelnen Sitzungen kann man hier gut erkennen:

IMG_1132.JPG

Interessant wird langfristig diese Frage:

Wie kann die Politik NRWs das Ergebnis nutzen, um im Bundesland und darüber hinaus für Maßnahmen gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen?

Brainstorming:
Studie bundesweit: Evaluieren, was überhaupt wie wirkt
Schnittstellen zwischen den Resorts schaffen
Kommunen einbinden, Maßnahmen in den Kommunen verankern
Landesaktionsplan als Marketinginstrument
(Parteienübergreifend, aber auch, um finanzielle Mittel zu legitimieren oder zu werben)
Erfahrungsaustausch bundesweit, Verbündete finden
Stellungnahmen, Gesetzesinitiativen vorantreiben

Positiv

Das Gefühl, sehr viel gelernt zu haben. Fachlich und menschlich bereichernd.

Kritikpunkte

(nur einige Stichpunkte)

Die Situation von Sexarbeiter*innen wurde wenig bedacht. Ebenso fehlte die Problematik von Rassismus gegenüber Migrant*innen. Überhaupt fallen zu schnell Gruppen im Denkprozess hinten runter (Frauen mit Behinderungen, Mädchen etc.)

Die Zeitplanung ist unklar. Wann soll was womit erreicht werden?

Mehr als nur Nazis jagen?!

Da ich selber leider nicht zur Bilokation fähig bin und dieser Workshop parallel lief und auch super interessant klang, hier ein Gastbeitrag von Alice zum Workshop „Antifa feministisch weiterdenken“:

Das letzte Podium, was ich im Rahmen des Kongress „Antifa in der Krise?!“ besucht habe, beschäftigte sich mit queerfeministischen Themen in der antifaschistischen Bewegung. Auffällig wurde, noch bevor es losging, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen dem oft formulierten Anspruch „Antifa ist mehr als Nazis jagen!“ und den tatsächlichen Zuständen. Offensichtlich scheint es die cis-männlichen Genossen wenig zu interessieren was die beiden referierenden Personen der „trans*geniale f_antifa“ zu sagen hatten. Immerhin waren ca. 3x mehr Frauen* als Männer anwesend. Die kommunistische Argumentation des Nebenwiderspruchs drängt sich auf.

Nach einer kurzen Einleitung fingen die Referierenden an einige Begriffe, die für dieses Thema wichtig sind, zu erklären. Damit kamen sie einem selbsterklärten Anspruch nach, ihren Vortrag auch für Personen offen zu gestalten, die keinen akademischen Hintergrund haben, um einer Exklusion vorzubeugen.

Im Rahmen dieser Begriffserklärung wurden einige Ansichten geäußert, die ich gerne weitertragen würde, da ich sie für interessant und/oder wichtig halte:

1. Ablehnung der Begriffe „Homophobie“ und „Transphobie“, da sie Hass und Gewalt, zumindest dem Begriff nach, mit Angstzuständen erklären und damit eben jenen Hass relativieren. Als Ersatz wurde der Begriff „Heterosexismus“ vorgeschlagen oder das Ersetzen des Wort „Phobie“ durch „Feindlichkeit“.

2. Im Zusammenhang mit der Thematik Ableismus (Diskriminierung/Exklusion von behinderten Menschen) wurde angemerkt, dass Menschen nicht behindert sind, sondern durch die Gesellschaft behindert werden. (Stichwort: Einrichtung einer barrierefreien bzw. barrierearmen Gesellschaft und Umwelt)

Anschließend wurde die Struktur/Gruppe vorgestellt, aus der die beiden kommen. Die „trans*geniale f_antifa“ versteht sich als Gruppe, die an feministische Antifakonzepte der ’90er anknüpft und sie um die Bedürfnisse von Trans- und Inter-Menschen erweitert. Um für die Gruppenmitglieder einen Raum zu schaffen, in dem sie sich vor Übergriffigkeiten sicher fühlen, sind keine cis-Männer zugelassen. Ansonsten probiert die Gruppe jegliche Exklusion zu vermeiden und übt daher Gesellschafts- und Herrschaftskritik, die u.a. auch in Reflexion über die eigenen Privilegien und eigenen Betroffenheit mündet. Sie versuchen barrierearme Räume und Veranstaltungen zu organisieren. (Stichwort: Reflexion darüber, inwiefern nicht-drogenfreie Räume (von Tabak über Alkohol bis hin zu „härteren“ Drogen) eine Barriere darstellen)
Kritik wurde u.a. an der teils sehr heterosexistischen Berliner linksradikalen „Szene“ geübt, an linker Emotionsfeindlichkeit, die den Umgang/die Verarbeitung von Erfahrungen mit sprachlicher und körperlicher Gewalt schwieriger macht und damit selber wieder zur Barriere werden kann.

Ein schwerer, aber berechtigter Vorwurf ist, dass die radikale Linke, genau wie der Rest der Gesellschaft, Trans-Menschen unsichtbar macht (z.B. auf Plakaten, in Aufrufen gegen Naziaufmärsche etc.) Dabei gibt es viele und berechtigte Gründe, warum Queer-Feminismus Teil der antifaschistische Bewegung sein sollte. Die „trans*geniale f_antifa“ nimmt z.B. positiven Bezug auf den Schwur von Buchenwald und benennt als Wurzel des Nazismus u.a. die duale Geschlechtereinteilung und das Patriarchat. So wurden z.B. bei der ersten Bücherverbrennung in Berlin auch sexualwissenschaftliche Werke verbrannt.

Weiterhin zeigt sich gerade in letzter Zeit wie „besorgte Eltern“ und Rechte Hand in Hand gehen (z.B. Pro Köln in Köln, NPD und Autonome Nationalist_innen in Stuttgart).

Ein weiteres Bespiel, dass Nazis massiv antifeministisch sind, ist einer der jüngsten Angriffe in Schweden auf Showan Shattak. Er war nicht das einzige Opfer des Angriff. Er und seine Genoss_innen kamen von einer Veranstaltung zum Frauenkampftag. Weiterhin hat Showan die Kampagne „Fottbolssupportrar mot Homofobi“ (Fußballfans gegen Homophobie) mit initiiert. Aber natürlich gibt es trans- und homofeindliche Übergriffe auch in Deutschland und nach Aussage der Referierenden ist die queerfeministische Bewegung alleine nicht in der Lage, das alles abzufangen und Widerstand zu leisten. Genau hier könnte „die Antifa“ ins Spiel kommen.

Zusätzlich wurde noch ein ganz konkretes aktivistisches Thema angesprochen. Der „Marsch für das Leben“ eine heteronormative, patriarchale und reaktionäre Demonstration, die jeden September in Berlin stattfindet und sich gegen Abtreibungen richtet. Trotz steigender Mobilisierungszahlen und politischem und gesellschaftlichem Einfluss (Grußworte kommen u.a. von Mitgliedern des Bundestages und der Landtage sowie von Bischöfen) bleibt eine große linksradikale Mobilisierung zu Gegenprotesten bis jetzt aus. Hier wären antifaschistische Gruppen gefragt, um die (queer)feministische Bewegung zu unterstützen und Teilnehmer_innen der Gegenveranstaltungen vor Übergriffen zu schützen.

In der anschließenden Diskussion wurde u.a. gefragt, was sich „die queerfeministische Bewegung“ von „der Antifa“ wünscht. 3 Hauptpunkte wurden daraufhin von den Referierenden genannt.
1. Reflexion über eigenes exkludierendes Verhalten
2. Zusammenarbeit (z.B. Mobilisierung gegen reaktionäre Demos)
3. Queerfeminismus muss Alltag werden!

PS: Wie sehr auch die antifaschistische Bewegung patriarchale Verhaltensmuster verinnerlicht hat, zeigt sich auch darin, dass Frauen in der Naziszene in den meisten Fällen als Mitläuferinnen angesehen werden und selten als Täterinnen benannt werden oder Ziel von Recherche sind.

Plenarwoche März

Meine Reden in dieser Plenarphase:

Ich habe wegen der Netzhauterkrankung sehr lange nicht geredet.

In dieser Woche habe ich nun drei Reden.

1. Zur Aufarbeitung der Strafverfolgung Homosexueller:

http://www.piratenfraktion-nrw.de/2014/03/birgit-rydlewski-zur-aufarbeitung-der-unterdruckung-homosexueller-nach-1949/

2. Zum Girls Day

https://www.piratenfraktion-nrw.de/2014/03/birgit-rydlewski-uber-die-erweiterung-von-berufsperspektiven-fur-junge-madchen/

3. Bezüglich Verbraucherbildung und ökonomischer Bildung in Schulen

https://www.piratenfraktion-nrw.de/2014/03/birgit-rydlewski-zur-gestaltung-von-nachhaltiger-verbraucherbildung-in-der-schule/

Feminismus, Quote und eine Antwort auf einen Blogartikel

„Keinen blassen Schimmer ob ich Dich damit erreiche,
langsam wird es klarer, wir wollen nicht das Gleiche.“

(But Alive – Natalie (bezeichnenderweise heißt das Album „Nicht zynisch werden“))

http://www.youtube.com/watch?v=OdFekGmQlFk
(Da geht es textlich ein wenig um andere Probleme…. Das Zitat passt hier trotzdem…)

Eine Antwort auf
http://schreibrephorm.de/lasst-menschen-doch-einfach-das-tun-was-sie-wollen/

Gemeinschaftsproduktion von:

Rüdiger Sehls
Ursula Bub-Hielscher
Alexander Thomas
Birgit Rydlewski

tl;dr

Bis jemensch(TM) eine bessere Idee vorzuschlagen hat, können wir Stillstand bewahren (sonst eher die Domäne der konservativen Parteien) oder fortschrittlich wenigstens versuchen, Bewegung in die Sache zu bringen (progressiv).

Was passiert in der Gesellschaft?

Beispiel: Als Jugendlicher hat man in der U-Bahn eventuell nachts Angst, das Handy geklaut zu bekommen. Als Frau wird Dir eventuell nicht nur das Handy geklaut, sondern Du wirst noch zusätzlich übergriffig behandelt, sexistisch beleidigt etc. Als PoC (people of color) kommt eine weitere Diskriminierungsebene hinzu…

Wenn man alle anderen Faktoren wegnimmt, haben Frauen auch heute noch Nachteile. Im Beruf. In der Politik. In ihrer Bewegungsfreiheit auf der Straße.

Ich habe durchaus auch mal gedacht, dass Feminismus unnötig geworden ist. Auch, weil der Feminismus von Alice Schwarzer nie meiner war. Aber ich habe auch im Alltag immer wieder sowohl bei anderen, als auch bei mir gesehen, dass Frauen in Alltagssituationen sexistisch angegangen wurden. Ich will eine Gesellschaft, die das nicht hinnimmt. Postgender funktioniert m.E. als Utopie nicht, weil die Verfechter*innen oftmals existierende gesellschaftliche Gegebenheiten ignorieren. (Birgit)

Erst aus den Gesprächen mit den jüngeren Frauen und deren konkreter Erfahrungen an der Uni, im Beruf und in der Partei machten mich hellhörig. Als ich dann die Berichte von jungen Journalistinnen las, und mir klar wurde, dass sich die berufliche Wirklichkeit kaum verändert hatte in den vergangenen 30 Jahren, merkte ich, dass es einer Wiederbelebung des Feminismus sehr wohl bedarf. (Ursula)

Mal noch deutlicher: Es geht bei Sexusmus und Diskriminierung um Gesellschaft. Nicht um Einzelfälle. Natürlich kann im Einzelfall eine Frau mehr Macht haben, als ein Mann. Das resultiert dann aber nicht aus einer gesellschaftlichen Bevorzugung Ihres Geschlechtes.

Piraten: Anspruch und Wirklichkeit

Markus Gerstel hat das mal sehr schön analysiert, wie das bei uns aussieht:

http://blog.uxp.de/2013/02/vorgelebte-gleichstellungspolitik-bei.html

Der Text von Balorda liefert nur leider keine Ansätze zur Verbesserung.
Mich würde zum Beispiel interessieren, worin die Autorin die Gründe für die wenigen Mandatsträgerinndn/Amtsinhaberinndn sieht. Und natürlich gerne Vorschläge zur Verbesserung.

Konkret empfinden wir den Tonfall im angesprochenen Text sogar eher als aggressiv und autoritär.

Beispiele:

Die Formulierung „Ich fühle mich als Frau von Feministinnen diskriminiert“, empfinde ich aufgrund der oben erläuterten gesellschaftlichen Hintergründe als problematisch.

Es fällt auf, dass nicht eine einzige Frage an diejenigen, die die Quote fordern und für den Feminismus eintreten über deren Motovation oder ihren Hintergrund gestellt wird. Durchweg geht es in einem sehr aggressiven Tonfall um Behauptungen und Unterstellungen.

„Ich fühle mich diskriminiert als Frau, besonders von den Feministen, die glauben die Wahrheit gepachtet zu haben.“

Es wird vorgeworfen, dass wir „[wieder] einmal losrennen, die Welt retten wollen und das ohne Hintergrundwissen und Konzept.“ Dabei sind gerade die am Ende angesprochenen Themen (Warum weniger Frauen in der Politik/Ämtern und die Quote als Hilfsmittel) innerhalb des feministischen Diskurses bereits seit Jahren immer wieder durchgesprochen und behandelt worden. Es stimmt also nicht, dass wir ohne Konzept und Hintergrundwissen agieren – im Gegenteil.
Dieser Diskurs basiert auf wissenschaftlicher Grundlage innerhalb der Genderstudies als Teilbereich der Soziologie. Die Feminist*innen, haben damit keineswegs die ‚Wahrheit gepachtet“, sondern sie haben die Grundvoraussetzung geschaffen, dass dieser Diskurs sich auch weiterhin ergebnisoffen an die aktuellen Bedingungen anpassen kann.

Zumindest ist der Anteil der Frauen* in emanzipatorischen Parteien mit Quote signifikant höher als bei den Piraten. Dies mit Auswirkungen auch auf den innerparteilichen Umgang miteinander.

Weiterhin bleibt die Abgrenzung Feminist*innen vs. „Menschen“ ebenfalls schwarz-weiß.

Zur Quote:

Ich sehe derzeit nicht, wo der Text eine Alternative zur Quote anbietet. Ich bin gar nicht so super begeistert von einer Quote, allerdings sehe ich es als sinnvoll an, etwas zu verbessern in der Attraktivität für weiblich sozialisierte Menschen, in der Partei mitzumachen. Ich sehe auch die Notwendigkeit, in Politik die Hälfte der Gesellschaft repräsentiert haben zu wollen.
Ich sehe eine Notwendigkeit, Umgang untereinander zu verbessern.

Weiterhin in verweise ich bei den Argumenten gegen Quoten auf

http://lauradornheim.de/es-gibt-kein-argument-gegen-eine-geschlechterquote/

sowie auf

http://larsreineke.de/ihr-und-euer-quotenproblem/

Zu den sonst noch im Text aufgegriffenen Themen:

Im Grunde wollte ich darüber nicht mehr schreiben, aber ein paar Absätze scheinen nötig.

Was bei Aufschrei passier ist:

Frauen haben mit dem Hashtag #Aufschrei über ihre Erfahrungen mit Sexismus reden wollen.

Bei #Aufschrei, den ich für einen echten öffentlichen qualitativen Schritt halte, stieg ich dann wirklich ein. Es war beindruckend, wie tausende von Frauen über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus und sexuellen Übergriffen berichteten.
Mitgemacht habe ich vor allen Dingen um die jungen Frauen in ihrem Kampf um Gleichstellung um Respekt und ja auch um Macht zu unterstützen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal öffentlich im Fernsehen über persönliche Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen innerhalb des Mediums sprechen würde. Ich fand das wichtig, weil ich es ohne Angst vor Sanktionen tun konnte. Was Angriffe bedeuten und wie vielfältig und verletzend sie sein können, durfte ich dann auf Twitter und in Hatemails erfahren. Ehrlich gesagt, ich hätte nicht im Traum gedacht, dass in dieser Gesellschaft so viel Hass auf Frauen, die sich trauen ihre Geschichte zu erzählen, existiert und verbreitet wird. (Ursula)

Es ist in meinen Augen deutlich geworden, dass Männer an der Stelle den Hashtag trollen wollten, indem sie dort zum Teil Hass und Angriffe ausgelebt haben. Zum Teil die Erlebnisse kommentiert oder angezweifelt haben oder auf ihre Probleme aufmerksam machen wollten. Wenngleich ich letzteres durchaus verstehe, gehört es da einfach nicht hin. Weil die Grundlagen andere sind. Weil es möglich sein muss, sich auszutauschen, ohne dass jemand dies unterbricht.

Was bei der Open Mind (#om13) bzw. danach passiert ist:

In dem Vortrag bei der Open Mind wurden nun entsprechende Äußerungen, die öffentlich getätigt wurden, in einem Vortrag zusammengetragen. (Dass da eventuell eine Identität mühsam erschaffen wurde, um Feministinnen anzugreifen, muss man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen.) Ich empfinde es so, dass bei der Kritik mitunter(häufig?) Opfer und Täter vertauscht werden. Diejenigen, die bedroht, beschimpft werden und es wagen, dies offen zu sagen, werden nun wiederum angegriffen. An der Stelle können sich die Menschen doch auch mal fragen, wie es ihnen dann ginge, wenn sie zum Beispiel Vergewaltigungsdrohungen etc. per Mail erhalten….

Exkurs Postgender (Markus):
Was immer wieder in der Diskussion auftaucht, ist der Vorwurf, dass wir doch postgender seien oder seien sollten und die Gesellschaft, in der wir leben wollen auch so vorleben sollten. Doch dabei wird oft übersehen, dass die vorgeschlagenen Ansätze meist viel zu kurz greifen. Im Folgenden nur einige Punkte, welche die meisten Denkfehler beschreiben.

Was bedeutet postgender? Letztendlich bedeutet es für mich eine Welt, in der keinerlei Diskriminierung aufgrund der Genderidentität mehr stattfindet. Eine solche Gesellschaft wurde nicht mal innerhalb des Star Trek Universums geschaffen, denn selbst da sind die Charaktere mehr oder weniger subtilen Diskriminierungen ausgesetzt. Am weitesten entspricht „Die Kultur“ in den Kultur-Romanen von Ian Banks einer Postgendergesellschaft, in der es keine Grenzen mehr gibt und die geschlechtliche, gender , sexuelle, ja sogar die biologische Identität gewechselt werden kann wie wir heute unsere Kleidung wechseln. Eine solche Gesellschaft wäre wirklich postgender, leider sind wir nicht einmal im Ansatz so weit.

Bis dahin bleibt der Begriff postgender sehr gefährlich: http://www.asaekante.de/?p=316

Zur PiratinnenKon:
(Vorwurf im Text: sexistisch, diskriminierend)

Es ist vermutlich müßig, das komplett nochmal aufzurollen. Ich finde es nur befremdlich, wie eine Veranstaltung von Menschen abgewertet wird, die nicht einmal vor Ort waren. Gerade vom Konzept und von der Vorbereitung fand ich die Veranstaltung sehr professionell.

Mir ist nicht klar, wieso die Veranstaltung als „diskriminierend“ und „sexistisch“ betitelt wird. Sexismus und Diskriminierung ist unmittelbar mit gesellschaftlichen Machtstrukturen verbunden, ich sehe nicht einmal im Ansatz, wie das hier zutreffen könnte. (Birgit)

Der Anspruch und das Ziel der Konferenz war es, Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zur Genderthematik miteinander ins Gespräch zu bringen. Wir haben uns wochenlang in Pads sowie im Leben getroffen und zum Mitmachen eingeladen. Ausgehend von einer unglücklichen Bemerkung einer Mitorganisatorin auf Twitter, für die sie sich später entschuldigte, ist dieser Brief auf den sich die Autorin bezieht, entstanden. Auch dieser wurde von von uns eher begrüßt, denn ausgegrenzt. Eine Mitorganisatorin hat ihn sogar unterschrieben. Für mich war es spannend, ein wenig mehr zu verstehen, weshalb manche Pirat*innen so sehr darunter leiden, dieses Postulat „Wir sind postgender“ aufzugeben.

Nie zuvor habe ich eine so konstruktive und so viele verschiedenen Menschen, im Übrigen mindestens 50 % Männer über zwei Tage so konstruktiv zusammen arbeitend erlebt. (Ursula)

Fazit:

Die Themen Diskriminierung und wie damit in der Partei und der Gesellschaft umzugehen ist, wird uns weiterhin beschäftigen. Wünschen würde ich mir einen Grundkonsens, dass wir alle Formen von Diskriminierung ablehnen. Nicht nur in einer Satzung oder einem Programmteil, sondern gelebt im Umgang. Ich bin weiterhin der Auffassung, dass alle Formen von Diskriminierung gemeinsam angegangen werden müssen. Mir erschließt sich zum Beispiel nicht, wie homosexuelle/Queer- Menschen Feministinnen angreifen und Sexismus mittragen können. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hängt über Gruppen übergreifend zusammen.
Das muss man gleichzeitig angehen in der Wortwahl, der Sprache und im Handeln.

Wenn man noch einen Schritt weitergehen möchte, kann man ab da dann auch noch Kapitalismuskritik hinzunehmen…