Educamp. Und weiter?

Ich war beim Educamp:  http://educamp.mixxt.de/

Jubiläum war es. Das 10. Educamp in 5 Jahren. (Heute habe ich in einer Diskussion versehentlich 10 Jahre gesagt. Manchmal fühlt es sich auch an wie 10 Jahre….)

Ich hatte mich im Vorfeld schon mit ein paar Menschen wegen der Sponsoringfrage gestritten (siehe auch im Forum oder auf meiner Seite). Ich weiß nicht, ob meine grundsätzlich etwas nörgelige Stimmung damit zu tun hatte. Ich war zumindest deshalb statt bei der Veranstaltung erst einmal wandern um Ilmenau herum. Abends zum lockeren Treffen bin ich dann zur Uni gefahren. Ein Teil erinnerte mich an die Sektchen- und Schnittchenveranstaltungen, die ich in meinem kurzen Dasein als Politikerin nun schon öfter mitgemacht habe und auch im Blog bereits abhandelte.

Fraglos war alles super organisiert. (Ob die Schnittchen lecker waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe zwei Biermischgetränke (Köstritzer) und ungefähr vier Tee getrunken, aber selbst das fühlte sich unter den gegebenen Umständen schon falsch an.) Es war brav und bieder, gediegen und langweilig. Glattgebügelt. Wie die Musik. Chillig. Ohne anzuecken. Durchgestylt.

Erst einmal zur Stimmung: Ich habe den Eindruck, die Euphorie ist weg. Ich habe nur wenige Sessions gehört, weil ich aus privaten Gründen früh weg musste, aber mir fehlte das Gefühl von Inspiration.

Bin ich anspruchsvoller geworden? Oder hat man alles irgendwie schon gehört? Fehlt das Neue? Der Moment, in dem man denkt, dass man das alles so noch nie betrachtet hat?

Zweifelsohne sind bei einer solchen Veranstaltung viele Menschen, die ich persönlich mag und die auch ganz viel können. Es fühlt sich aber an, als sei die Gier weg, die Welt besser zu machen. Wir sind satt von gesponserten Schnittchen und von gesponsertem Bier (aus Gläsern). Ich will das so nicht…

Ich frage mich, ob wir eine Änderung des Konzeptes brauchen. (Man kann nach einem Jubiläum auch ein Konzept gnädig für erledigt erklären und mal was ganz Neues anfangen. Oder ist das zu radikal?)
Vielleicht ist es nicht radikal genug. Vielleicht könnten wir endlich mal rausgehen mit all den tollen Ideen und Konzepten und Überlegungen aus 5 Jahren. Raus wohin? Zu den Menschen auf der Straße. Zu den Schülern. Zu den Schulen. Zu den Lehrern. Auf Wochenmärkte. In Fußgängerzonen. In U-Bahnen. Auf Veranstaltungen.

Statt den immer gleichen Vorstellungsrunden drei Kernthemen, drei Kernbegriffe, drei Kernforderungen in die Welt tragen. Mit Theater (politisch, offen oder verdeckt (angelehnt an A. Boal)), mit Guerilla-Marketing, mit Sprühfarben oder Blumen oder was-auch-immer.

Wenn wir aber das Konzept unbedingt beibehalten wollen, dann würde ich gerne ein paar Änderungen versuchen:
Statt eines Systems mit Sponsoren Crowdfunding zum Beispiel via betterplaces.org. Gesamtkosten als Zielsumme und einfach mal gucken, wie vielen Menschen innerhalb und außerhalb unserer Filterbubble dieses Konzept etwas wert ist. Dann sieht man nämlich, ob das Konzept tragfähig ist, wenn es genug Menschen unterstützenswert finden und das dann nicht nur Unternehmen sind, die sich mal mehr, mal weniger davon Profit oder Werbung versprechen.

Ich sehe das Problem fast jeder politischen Veranstaltung (Ja. Das Educamp ist eine politische Veranstaltung.) Wir reden in unserer Filterbubble, aber nicht mit den Betroffenen. Wie ändert man das? Wie muss eine Veranstaltung sein, damit Schüler/Bürger da gerne hingehen und mitmachen wollen? Wenn wir Schule/Politik/Gesellschaft gestalten wollen, müssen wir ins Gespräch kommen. Nicht nur untereinander, sondern mit einem größeren Teil der Gesellschaft.

Nachtrag: Vielleicht sammeln wir mal ein paar Ideen: http://t.co/mcPDQnx

(Das könnte ein alternatives Educamp werden. Mir wäre aber eigentlich lieber, dass wir es zusammen mit dem Verein versuchen. Ein Verein könnte auch die Sache mit dem Crowdfunding vereinfachen. Ich weiß allerdings nicht, wie da die Bereitschaft ist, etwas Alternatives auszuprobieren.)

26 Gedanken zu „Educamp. Und weiter?

  1. Frau Fridur

    Tablet ergattert, yeah. Bin das erste Mal auf einem educamp und teile viele deiner Beobachtungen. Die Inhalte des Camps müssen dringend raus, an Schüler/Lehrer/Lernende. Es sind tolle tools und Ideen, vielleicht wieder mehr Visionieren? Weis ja nicht, wie es auf den vorherigen Camps war… Für menschen außerhalb der bubble ist es übrigens schwierig, sich einfach so thematisch einzuklinken [mir geht es jedenfalls so] , weil es teilweise in Sacghen Begrifflichkeiten abgehoben und hinsichtlich behandelter Probleme recht abstrakt ist. Fühle mich aber ernst genommen und denke, das das auch wichtig ist für die Öffnung, um andere anzusprechen. Wie genau man das aber bewerkstelligt..? No idea, jeder Teilnehmer wirkt ja zumindest schon mal im kleinen, oder? Botschafter, die Ideen weitertragen. Vielleicht ist diese ganze Bewegung aber auch noch einfach zu früh für die Gesellschaft und erstmal zum Dasein als Subkultur verdammt..? Ausbruch aus dem System, Aufbruch der Strukturen… Ziemlich großes Thema, aber soooo wichtig…

  2. Ronald Hindmarsh

    Ich sehe es auch so: Die Weltverbesserer sind eher rar gesät. Dafür versuchen viele, etwas in der Welt zu verbessern, in der sie agieren.

    Ich habe es dennoch versucht mit der Vision Akademie 2.0. Wenn man 3 Stunden dafür hat (EduHack am Freitag), geht ein bisschen was. Aber die Welt in nur einer Session-Stunde zu verändern, ist deutlich schwerer. Ich bleibe aber dran…

    LG Ronald

  3. Birgit Rydlewski Artikelautor

    Nachtrag: Im Streit bei Twitter mit @herrlarbig wird deutlich, dass meine Ideen als destruktiv wahrgenommen werden. Mir wird vorgeworfen, dass ich die Mehrheitsentscheidung, sich über Sponsoren finanzieren zu wollen, nicht akzeptiere. Es mag sein, dass ich da gekämpft habe, weil ich grundsätzlich das Konzept der Educamps wirklich gut finde und weil ich meine Möglichkeiten gerne eingesetzt hätte, eine andere Finanzierung via Crowdfunding zu versuchen. Wenn das nicht gewünscht ist, gebe ich halt an der Stelle auf und gucke mal, ob es im nächsten Jahr möglich ist, eine andere Veranstaltung zu organisieren. Mit dem Verein wäre das aber leichter gewesen wegen der Absetzbarkeit der Spenden und der Haftungsfragen.

    Ich halte es nach wie vor für unklug, eine politische Veranstaltung mit Sponsoring zu verknüpfen. Ich bin durchaus der Meinung, dass wir hätten zumindest bei sofortigem Start versuchen können, die Gesamtsumme der nächsten beiden Educamps anderweitig zu beschaffen. Da vertraue ich dem Netz, der Peergroup und den an Bildung interessierten Menschen. Dass das dieses Mal nicht geklappt hat, lag auch m.E. daran, dass es gar keinen wirklich öffentlichen Aufruf dazu gegeben hat. Die Kommunikation war da einfach schlecht. Ich hätte mich darum gerne gekümmert. (Das hatte ich auch im Streit letztes Jahr wegen Bertelsmann bereits gesagt. Angesprochen hat mich allerdings niemand.)

    Ich bin weiterhin der Auffassung, dass eine solche Veranstaltung ohne Eintritt zu gestalten ist und dass das Essen und Trinken frei sein sollten. Ob dazu auch das Freibier der Auftaktveranstaltung zählt, mag man kritisch sehen.

    Vielleicht könnte der Verein die Ergebnisse der Versammlung von gestern Abend veröffentlichen. Wenn dann unbedingt alles so bleiben soll, wie gehabt, nörgele ich auch nicht weiter herum, sondern akzeptiere die Entscheidung.

    Wer dann Interesse an einer Alternative hat, kann sich gerne melden. Vielleicht taugt zum Sammeln auch schon das Pad oben.

  4. gibro

    Ich denke am rausgehen und streuen der Ideen hapert es nicht. Da gibt jeder sein bestes und in seinem eigenen Bereich. Vielleicht wird das in Gänze nie für alle sichtbar. Aber die vielen kleinen Gespräche mit Menschen ausserhalb der „Filterbubble“ zeigen, dass es Nachahmende gibt, die es sicherlich anders machen und nicht so sichtbar. Aber sichbar ist sowieso nur das in der eigenen Filterbubble.

    Es ist auch nicht so, dass sich gar nichts tun würde. Aber die föderalen Strukturen des Bildungswesens sind der Grund dafür, dass alles im kleinen passiert und nicht ein bundesweiter Ruck durch die Bildung geht.

  5. Michael

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Organisation eines „alternativen“, crowdfinanzierten EduCamps und bin gespannt, wie Sie ohne Sponsoring 150 bis 300 Leute mehrere Tage unterhalten und durchfüttern wollen, ein motiviertes Team zusammenstellen und für größtenteils zufriedene Teilnehmer sorgen wollen.

    Selbstverständlich werden wir als Team Sie dabei nicht unterstützen. Allerdings würden wir uns große Mühe geben, ein ebenso negatives Stimmungsbild zu schaffen, wie Sie es in den vergangenen Tagen geschafft haben. Ihr teils unsachliches Nörgeln ist zwar auch eine Art von Wertschätzung, trägt aber ganz sicher nicht zum Gelingen einer solchen Großveranstaltung bei.

    Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Einladung zum „alternativen“ EduCamp.

    Viele Grüße aus Ilmenau
    Michael vom Orga-Team

  6. Pingback: Educamp – 7 goldene Benimmregeln

  7. Birgit Rydlewski Artikelautor

    Hallo Michael,

    ich weiß jetzt auf Anhieb nicht, wer Sie sind. Es ist schade, dass Kritik gleich als Genörgel wahrgenommen wird. Wenn mir die Educamps nicht wichtig wären, hätte ich nicht über Jahre die Diskussion geführt um die Sponsoren oder in Köln in der Orga mitgearbeitet und würde mich jetzt auch nicht weiter engagieren wollen. Ich mag die Menschen dort. Ich fand viele Educamps ganz großartig und es tut mir leid, wenn das an der Stelle nicht durchgekommen ist.

    Ob es allerdings den Educamps dienlich ist, Kritik sehr harsch abzubügeln, zu ignorieren oder ins Lächerliche zu ziehen, weiß ich nicht. Das könnt nur ihr entscheiden. Ich halte das Selbstgefällige an der Stelle für traurig.

    Es kann ja sein, dass ich im Unrecht bin und dass Sponsoren alternativlos sind. Meine Hoffnung ist aber eigentlich, dass uns die Veranstaltung so viel wert ist, dass wir auch bereit sind, dafür etwas zu tun (und dafür auch finanziell einzustehen – jeder im Rahmen der Möglichkeiten und in freier Entscheidung, also nicht mit Eintritt.)

    Hier ist noch ein weiterer Teil der Diskussion:

    http://educamp.mixxt.de/networks/forum/thread.241904

    1. Michael

      Mir geht es nicht darum, selbstgefällig Kritik „abzubügeln, zu ignorieren oder ins Lächerliche zu ziehen“. Als Mitglied des Orga-Teams, das für gründen.lernen.wissen. drei verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig vorbereitet, geplant und durchgeführt hat, kann und möchte ich auch nicht auf die inhaltliche Diskussion eingehen, die derzeit über das EduCamp geführt wird.

      Jedoch fühle ich mich für die vielen unbezahlten und extrem engagierten Helfer verantwortlich, die morgens früh aufstehen mussten, um Ihnen den gesponserten, aber selbst gekauften Tee zu kochen, und erst sehr spät ins Bett gehen konnten, um die Schnittchen-Krümel und die Köstritzer-Pfützen aufzuwischen. Für diese Helfer ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn der Eindruck entsteht, dass ihr freiwilliges Engagement nicht gewürdigt und auf der Twitterwall omnipräsent zunichte gemacht wird. Zumal das Bild, das Sie vermittelt haben, nicht zu dem überaus positiven und zufriedenstellenden Feedback vieler anderer Teilnehmer passt.

      Das ist aus meiner Sicht besonders ärgerlich, da Sie sich nicht die Mühe gemacht haben, an der gesamten Veranstaltung teilzunehmen und die Veranstalter, das Orga-Team oder die Helfer persönlich anzusprechen, um Ihre Bedenken zu äußern. Vielleicht hätten wir einige Ihrer Befürchtungen sogar aus dem Weg räumen können.

      So entstand, wenn auch unbeabsichtigt, für mich der Eindruck, dass Sie undankbar und respektlos ein teils falsches und ausschließlich negatives Bild vom EduCamp geprägt haben, ohne sich wirklich für die Hintergründe der Gesamtveranstaltung zu interessieren. Und dabei spielt es keine Rolle, ob Ihre Kritik inhaltlich gerechtfertigt oder ungerechtfertigt, konstruktiv oder destruktiv, angemessen oder unangemessen war.

      1. Birgit Rydlewski Artikelautor

        Es ist schade, dass Sie das auf so einer persönlichen Ebene sehen. Es geht doch in keiner Weise gegen die Helfer vor Ort etc. Auch nicht gegen die Orga. Es geht um das Konzept.

        Dass ich aufgrund privater Umstände Samstag schon fahren musste, tat mir durchaus leid, ließ sich aber nicht anders regeln. (Mir wurde aber durchaus zugetragen, wie abfällig dort über mich aufgrund der Kritik geredet wurde. Insofern war ja ein offensichtlich nicht ganz kleiner Teil recht froh, dass ich endlich weg war.)

        Es ist allerdings nicht korrekt, dass ich mit der Orga nicht gesprochen habe. Ich habe im Vorfeld mit dem Orgateam gemailt. Es gab ja auch einen Teil der Diskussion im Forum. Zudem ist das ja eine Diskussion, die wir schon mehrfach geführt haben. Ihr Team in Ilmenau ist davon also nur sehr am Rand betroffen, weil es darum ja im großen Kontext überhaupt nicht geht.

        Vielleicht lassen sich meine Bedenken bezüglich Sponsoring auch nicht so mal eben aus der Welt räumen. Da fand ich übrigens den Ansatz von Anja interessant, ob die Educamps als politische Veranstaltung zu betrachten seien. (Ich würde das bejahen, was auch meine in Ihren Augen vielleicht radikale Position bezüglich Sponsoren erklärt.)

        Heute stellte jemand in meinem Umfeld die These auf, dass die Besucher des Educamps eher nicht aus dem linken politischen Spektrum kämen, weil neoliberale Gruppierungen so kritiklos unterstützt würden. Ich weiß ehrlich gestanden nicht, ob das so ist. Damit habe ich mich bisher auch noch gar nicht beschäftigt. (Leider ist auch in NRW die Verflechtung von z.B. Bertelsmann mit Politik und speziell Bildungspolitik nicht mal so eben zu durchschauen. Schlimmer ist aber, dass das nicht mal mehr hinterfragt wird.)

        Da kann man „lustige“ Plakate machen, um mich anzugreifen oder ins Lächerliche zu ziehen oder man kann mal ernsthaft darüber diskutieren, ob das alles unterstützenswert ist.

        Ich sage nicht, dass ich schon die eine richtige Lösung habe, aber ich werde auch etwas emotional, wenn so massiv und nachhaltig in meinen Augen problematische Bereiche ignoriert werden. (In NRW betrifft das auch die Hochschulen/Hochschulräte etc. Ich habe keine Ahnung, wie das in Thüringen ist.)

        Mir wurde ja bei der Diskussion vor einem Jahr schon nahegelegt, dann einfach wegzubleiben. Vielleicht ist das auch wirklich besser, aber ich wollte zumindest nochmal kämpfen, weil mir die Veranstaltungen grundsätzlich sehr wichtig und auch sehr viel wert geworden sind. Sonst hätte ich auch nicht angeboten, mich finanziell und/oder bei der Orga einer Alternative zu beteiligen.

        1. Kirchner H.

          Was ist mit den neutralen EduCampern, die nicht aus politischen Erwägungen gekommen sind, sondern nur um zu kommunizieren. Um neue Anregungen zu bekommen?
          Mir ist doch egal wer mein Mitaggessen oder mein Müsli sponsert, Hauptsache er quatscht mir nicht in den Inhalt hinein, den ich als Rezipient aufnehmen will.
          MfG H.K.

          1. Birgit Rydlewski Artikelautor

            Sehr geehrter Herr Kirchner,

            vielleicht ist es so einfach. Vielleicht auch nicht.

            Ist es wirklich egal, wer das Essen bezahlt?

            Aber wie ich im Forum schon schrieb. Es ist ok. Ich habe genug andere Bereiche, um die ich mich kümmern muss. Es ist ok, wenn es nicht gewünscht ist, dass wir mal einen anderen Versuch in kleiner Form wagen.

            B.

  8. Anja Lorenz

    Die Rücknmeldung zur Crowdfunding-Idee werde ich im Forum verfassen, ich möchte hier nur etwas zu meiner Wahrnehmung (als nicht-Orga und nicht-Mitglied des Vereins) der Diskussion sagen und warum ich die Reaktion von Michael zwar nicht gut, aber durchaus verständlich halte.

    Die Sponsorenkritik gab es in Bielefeld, wurde in Köln diskutiert und es wurde beschlossen, die Community vorher zu fragen. Das wurde getan: http://educamp.mixxt.de/networks/forum/thread.232412 und ich finde nicht, dass es der falsche Kommunikationsweg war. Mit einem Abonnement der Mixxt-Plattform bspw. per RSS-Feed hat man das nicht übersehen können, die Kommunikation zu Beginn war ja ausreichend lang. Als dann alles klar war und die Organisation sicher darauf ausgerichtet wurde kam von Dir die Kritik keine zwei Wochen vor dem #ecil12 mit der Einleitung „Ich war echt so naiv, zu glauben, dass die letzte Diskussion zu dem Thema Bertelsmann als Sponsor ausreichend war.“. Doch das war sie und es wurde das getan, was in dieser Diskussion beschlossen wurde. Dass Du die Diskussion verpasst hast ist Dir nicht vorzuwerfen, aber auch den Organisatoren nicht, dass sie nicht an jedes Mitglied eine Einladung geschickt haben.

    Weiterhin habe ich wahrgenommen, dass Du am Freitag „deshalb statt bei der Veranstaltung erst einmal […] um Ilmenau herum“ wandern warst und am Samstag „nur wenige Sessions gehört [hast], weil [Du] aus privaten Gründen früh weg musste[st], aber [D]ir fehlte das Gefühl von Inspiration.“ Zusammengefasst in meiner Wahrnehmung: Du warst zwar kaum da, hast Dich kaum beteiligt und auch keine Session angeboten aber langweilig war es. Du lässt auf Twitter auch keinen Zweifel daran, dass die Sponsoren alles verkommerzialisieren und nichts Neues mehr kommt (das Feedback von außenstehenden Twitterern zeigt auch, dass es bei diesen so angekommen ist).

    Bitte entschuldige die Polemik. Ich bin mir der Selektivität meiner Wahrnehmung durchaus bewusst und auch dem, dass Du (so schreibst Du) anders rübergekommen bist, als Du wolltest. Aber genau das ist es, was mich verstehen lässt, warum der Orga-Michael so reagiert, gerade weil er und sein Team einen Riesenaufwand hatten und das ganze meiner Meinung nach tadellos vonstatten lief. Und wenn Du das unter dieser Brille mal betrachtest wirst Du das sicher auch verstehen. Wichtig ist es aber jetzt, hier weiterzukommen und mit der Kritik nicht wie beleidigte Leberwürste jeder in seiner eigenen Erbsensuppe weiterzuschwimmen (ich bitte um Beachtung für diese Metapher) sondern über die Vereinbarkeit konstruktiv nachzudenken und switche daher gleich in die Mixxt-Plattform.

    (P.S.: Vielleicht sollten wir dort noch einen zweiten Diskussionstrang aufmachen: Ich finde nicht, dass das EduCamp eine politische Veranstaltung ist, aber eins nach dem anderen…)

  9. martin lindner

    hm, ich finde, dass das thema „barcamp zur bildungsrevolution“ schon leidenschaftliche diskussionen vertragen sollte. diese biedermeierlichen reaktionen auf kritik, die ja weiß gott von _rya_ konstruktiv gemeint ist (das weiß jeder, der ihr über längere zeit folgte) sind sehr enttäuschend.

    es spricht an sich gar nichts dagegen, dass leute sich selbstgenügsam auf dem educamp ihre portion enthusiasmus für den harten alltag abholen, und von mir aus auch gern mit müsli von Bertelsmann, wenn es sein muss. (ich bin da nicht sehr rigide.) nette menschen machen zusammen nette dinge bei schönem wetter, und sind sich apriori einig über ihren wunsch nach weltverbesserung. wunderbar.

    aber das ganz offensichtlich mangelnde bewusstsein für das kulturrevolutionäre potenzial, das einmal in der Web 2.0/Barcamp-bewegung drinsteckte und in den z.t. grotesken reaktionen auf diese kritik zum ausdruck kommt (das plakat!), machte mich aus der entfernung schon auch ein wenig nervös. die verbeamtung der revolution.

    1. Marcel

      Lieber Martin,
      ich denke es ist an der Zeit, dass Du einfach mal wieder selbst bei einem EduCamp vorbeischaust, um einen realen Eindruck der ganzen Situation gewinnen zu können und Dich weniger nur auf das Tweet-Geflüster im WWW verlassen zu müssen. Eine „Verbeamtung der Bildungs-Revolution“ (so letzteres denn tatsächlich schon existiert), konnte ich jedenfalls in keinster Weise feststellen und ich war auch schon auf einigen klassischen Tagungen, sodass ich Vergleiche ziehen kann. Ganz im Gegenteil, die Stimmung war, gerade geprägt durch einige Bildungs-Startups und viele Neulinge, erfrischend und erneuernd wie immer. Das Bild der Stagnation auf den EduCamps wurde meines Erachtens von _Rya_ gezielt als solches in die Web-Welt getragen und hatte meiner Meinung nach andere Beweggründe. Denn diese Kommunikation verstand sie sehr gut über die drei Tage fröhlichen Beisammenseins in der Edu-Community, die sie ja auch zu einigen Anteilen lieber zum „asketischen“ Wandern nutzte! Niemand verübelt ihr das bei dem schönen Wetter…nur sollte man dann auch keine unnötigen Stimmungen schüren. Das ist einfach überflüssig und vermittelt einen falschen Eindruck!

      Ggf. bin ich hier als Veranstalter jedoch auch zu befangen – aber keine Angst, es war mein letztes EduCamp, dass ich in Ilmenau organisiert habe. Ab der kommenden Veranstaltung werde ich wieder richtig aktiver Teilgeber, wenn ich es schaffe, dabei zu sein. Das war mir diesmal aufgrund der Fülle an Organisationssachen leider nicht in gewünschtem Maße möglich.

      Ich würde mich freuen, dich dann in Hamburg oder Berlin wieder zu sehen, damit Du Dir Dein eigenes Bild machen kannst, was wir bewegen (können), gerade als Bildungs-Hacker!

      Hoch wertgeschätzte Grüße
      Marcel

      1. Birgit Rydlewski Artikelautor

        Da würde ich jetzt aber sehr gerne wissen, welche Beweggründe Du mir unterstellst, Marcel.

        (Im Forum so auf versöhnlich machen und mich hier angreifen, passt nicht so ganz zusammen, oder?)

        Dass eine andere Finanzierung nicht klappt, wie Du im Forum darlegst, mag auch an der Art der Verbreitung liegen. Damit erreicht man schlicht nicht genug Menschen…

        1. Marcel

          Hier nun also meine Rückmeldung zum Diskurs auf der persönlichen Ebene:
          Zunächst einmal „unterstelle“ ich keine Beweggründe und des Weiteren habe ich auch an keiner Stelle erwähnt dass diese „nieder“ sind. Das bitte ich zu beachten bei allen Formulierungen!

          Ich vermute folgende Beweggründe in der nachfolgenden Ablauf-Kette:
          1. Du hast ein persönliches Problem damit, dass trotz der Diskussion ab Bielefeld und der vereinbarten Vorgehensweise auf der Mitgliederversammlung in Köln, bestimmte Firmen Sponsoren des EduCamp sind. Das ist, wie ich schonmal geschrieben hatte, völlig legitim und Du stehst damit auch garantiert nicht allein. Trotzdem ist es Deine subjektive Meinung, die nicht von allen, insbesondere im Verein, mitgetragen wird.

          2. Du selbst vermutest, dass der Sponsor massiv Einfluss auf die Veranstaltung nehmen könnte oder mit ihr hausieren geht etc.. Auch das ist Deine Meinung und völlig in Ordnung.

          3. Es könnte nun sein, dass Du erkennst, dass auf dem EduCamp zu wenige Leute sind, die sich Deiner Meinung anschließen und Du zu wenig Aufmerksamkeit bzw. Resonanz für Deine angesprochene Problematik erhältst.

          4. Deshalb beschwerst Du Dich über die Veranstaltung an sich, äußerst nörgelnde Befindlichkeiten und erzeugst gezielt negative Stimmungen während der Veranstaltung über diese, indem Du in relativ hoher Frequenz z.B. teilweise falsche Äußerungen über Twitter verbeitest, die vor allem Resonanz bei Außenstehenden erzeugen, die sich kein richtiges Bild vom Geschehen vor Ort machen können und damit eine völlig andere Wahrnehmung des Camps erhalten, als die Teilnehmer es hier vor Ort erleben, z.B. Stillstand, keine Neulinge usw. Dies wurde dann gerade vor Ort von mir und zahlreichen weiteren Beteiligten als destruktiv wahrgenommen (siehe auch Beiträge von Anja, Melanie etc.).

          Jetzt frage ich Dich: Merkst Du eigentlich, wie sehr Du einer tollen Bildungsbewegung, die Du eigentlich unterstützen möchtest, indirekt schadest?

          Wäre es nicht sinnvoller (gewesen),
          1. den direkten Dialog mit uns (vor Ort) zu suchen oder
          2. eine Session anzubieten, in der Du die Diskussion über den Sponsoren-Umgang führst oder
          3. der Mitgliederversammlung beizuwohnen, in der wir diese Thematik besprechen oder
          4. Dich zu dieser aus der Ferne z.B. per Skype zuschalten zu lassen,
          um Deiner Meinung ein angemessenes Gehör zu verschaffen?

          Und ich frage Dich noch etwas: Wie hättest Du Dich auf dieser Veranstaltung verhalten, wenn der gewisse Sponsor nicht Unterstützer gewesen wäre?

          Ganz ehrlich: Ich finde es schade, dass Du Dich aus der zumeist sachlichen Diskussion durch Löschung Deines Accounts in der Community rausgenommen hast! Und das betrachte ich ganz losgelöst von den Eindrücken, die für mich direkt vor und während des Camps über Dich entstanden sind. Denn ich verstehe Deine Intentionen und bin diesen grundsätzlich gar nicht abgeneigt, nur eben der Art und Weise, wie Du sie zu vermitteln versuchst.

          Beste Grüße
          Marcel

          1. Birgit Rydlewski Artikelautor

            Ehrlich: Ich nehme Dir nicht ab, dass Du es bedauerlich findest. Die meisten werden froh sein, mich endlich loszuwerden 😉 (Die Diskussion ist über Jahre geführt worden. Sicher war ich da auch emotional.)

            Der Mitgliederversammlung konnte ich nicht beiwohnen. Da saß ich noch im Auto. Ich weiß aber auch nicht, ob das etwas geändert hätte. Ich habe Gerüchte gehört, wie da über mich geredet wurde. Die Aussage oben aus dem Orgateam war ja ähnlich freundlich. (Aus der anderen Arbeit weiß ich, dass Ideen durchaus auch mal abgelehnt werden, weil sie von den „falschen“ Personen kommen.)

            Die Idee der Educamps finde ich immer noch großartig. Ihr macht das schon. Und wenn ich in ein paar Wochen mal etwas Zeit hatte mit Interessierten nach einem Trägerverein zu gucken, ergibt sich ja vielleicht auch nochmal die Möglichkeit einer Veranstaltung mit alternativem Finanzierungskonzept.

            Grüße

            Birgit

  10. ixsi

    Ich hoffe, ich kann hier ein paar Dinge klarstellen, die offenbar bei der 160-Zeichen-Beschränkung auf twitter durcheinandergeraten sind.

    1. Ich ärgere mich darüber, das Plakat ohne genaues Hintergrundwissen retweetet zu haben. Mein Anliegen war nicht, mich über dich lustig zu machen (das fände ich respektlos dir gegenüber, dafür kenne ich dich zu wenig). Nach verschiedenen Tweets, die die Unzufriedenheit mit dem Educamp darstellten (die unter anderem auch die Kommunikation nach außen beinhaltete), fand ich dieses Bild dazu sehr passend. So kam es zu dem Retweet.

    2. Ich teile deine Ansicht, es müsse mehr nach außen dringen, sowohl während als auch nach dem Educamp. Ich war bisher kein Teilnehmer bzw. -geber an einem Barcamp und bin neugierig, wie das abläuft und was dabei herauskommt. Klar, das ist nicht zu vergleichen mit einer echten Teilnahme. Daher wünsche ich mir sehr, dass der Termin für Hamburg nächstes Jahr mir gut passt. Dennoch lese ich Blogartikel übers Educamp, verfolge die Tweets lerne dabei die Verhaltensregeln (@schb) und erahne, auf was ich mich da einlasse. Ich hatte dieses Mal zwar auch den Eindruck, weniger vom Educamp gelesen zu haben, ich weiß aber auch, dass es Zeit kostet, einen längeren Text darüber zu schreiben und man auch nicht immer in einer angeregten Diskussion daran denkt, zu tweeten.

    3. Ich finde deine Idee, mehr vom Educamp nach außen zu tragen, wie schon geschrieben, gut. Hier in Hamburg wäre es sicherlich einfacher, Schulen zu finden, die man einbeziehen könnte, die Innenstadt ist sehr belebt, da könnte man einen Flashmob o.Ä. starten (aber ob die Leute hier Zeit für eine Diskussion hätten…), oder man könnte die S-Bahn zu einem Lernraum umgestalten. Wenn ich deinen Artikel richtig verstanden habe, ist das eine Sache, die du bei diesem Educamp vermisst hast. Ich bin auch interessiert daran, wie man das Konzept des Barcamps hinterher als Fortbildungs-/SchiLf-Konzept in die Schulen bringen kann. Vielleicht könnten wir für Hamburg dazu etwas gemeinsam planen.

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  14. Tobias Hübner

    Liebe Birgit,

    ich bin erst heute auf die Debatte und deine Tweets von vor zwei Wochen an mich gestoßen und möchte mich hier – ich weiß… viel zu spät… – etwas ausführlicher dazu äußern.

    Als das Educamp veranstaltet wurde, habe ich gerade die Atmosphäre in Haight-Ashbury, dem wahrscheinlich letzten Hippie-Viertel auf diesem Planeten (oder zumindest in San Francisco) genossen.

    Als ich dann die Vorschläge zum alternativen Educamp in deinem Blog-Beitrag gelesen habe (mit Guerilla-Marketing, Blumen, Theater, ohne Unternehmensbeteiligung und mit politischer Einmischung), fielen mir die Parallelen auf und ich habe das „Dagegen-Camp“-Plakat gemacht, dessen Kreativität von dir ja gleich im Anschluss schon gewürdigt wurde 😉

    Darf ich dich als Verursacher dieses als ironisch gedachten Plakats darum bitten, es nicht als Pöbelei, sondern als verstecktes Kompliment für dein Engagement zu sehen, das für mich erst im weiteren Verlauf der Diskussion in den Kommentaren so richtig deutlich wurde?

    Sowohl deine Intention als auch die derer, die hier vor mir geschrieben haben, ist doch – wenn ich mir mal anmaßen darf, das zu unterstellen – von der gleichen Motivation getrieben, unser Bildungssystem in kleinen Schritten in die richtige Richtung zu treiben.

    Ich mach jetzt nicht einen auf versöhnlich, dafür liebe ich es viel zu sehr, über das Wie und Wohin dieser Richtungsänderung in der Edu-Community zu diskutieren, denn nur so kommt man in seinem eigenen Denken voran.

    Die bisweilen etwas unpersönliche Kommunikation im Netz lässt jedoch manchmal viel Platz für Missverständnisse und verletzt wohl bisweilen auch. Sollte mir dieser Fehler auch unterlaufen sein, tut mir das leid. Fände es schade, wenn deswegen der Kontakt abbricht.

    1. Birgit Rydlewski Artikelautor

      Danke. Damit hatte ich jetzt echt nicht mehr gerechnet. Auf der Seite des Educamps habe ich mich ja abgemeldet. Was mit der anderen Idee wird, ist derzeit noch etwas unklar, weil der Termin des Hangouts nicht geklappt hat.

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