Open Mind 2012 – Gedanken von der Rückfahrt

Open Mind 2012

Ein paar Gedanken zur diesjährigen Open Mind auf die Schnelle:

Nun zum dritten Mal haben wir mit ein paar netten Menschen in Kassel die Open Mind auf die Beine gestellt.

Hier findet ihr die Infos zur Konferenz und auch baldmöglichst die Videos der Vorträge/Diskussionen:
http://12.openmind-konferenz.de/

Es war wirklich schön. Ich bin furchtbar müde. Aber bevor ich gleich in die Wanne sinke, noch ein paar Gedanken von mir. (Ein wenig traurig bin ich auch, weil ich viele der wundervollen Menschen gefühlt viel zu selten so in dieser Meatspacewelt (also das mit dem Anfassen und auch mal kuscheln können) sehe. Die Dichte der wundervollen Menschen pro Quadratmeter ist auf der Open Mind einfach wirklich sehr hoch. (Verzeiht mir, dass ich gerade nicht weiß, wer das ursprünglich so ähnlich getwittert hat heute.))

Kurz vor Ende haben wir die Evaluationen der letzten beiden Jahre mal kurz nebeneinander gehalten. Was auffiel: Die Atmosphäre wurde in Summe als etwas schlechter eingeschätzt als im Vorjahr.

Ich hatte durchaus auch den Eindruck, dass die Stimmung teilweise etwas aggressiver war als in den Vorjahren. Muss aber nicht stimmen (oder wie war euer Eindruck?) Ich habe vielleicht selber auch dazu beitragen. Ich war schneller genervt als sonst so. Für mich lag das einmal daran, dass ich vielleicht ohnehin etwas übermüdet bin und schlapp von den letzten Wochen. Außerdem war ich wohl etwas angespannt, weil da mit einer Person ein Konflikt im Raum steht, der sich leider nicht lösen lässt, weil die Person nicht mehr mit mir reden mag. Mich verunsichert das und führt zu einem blöden Gefühl, ich sei da nicht erwünscht. Ich bin nicht immer so tough. Ich bin mitunter ganz furchtbar emotional und auch durchaus schüchtern. Wenn man auf einmal nicht mehr miteinander reden kann, macht mich das traurig. Vor allem, wenn ich jemanden mag.
Ich bitte zu entschuldigen, dass ich vielleicht angespannter war als sonst.

Weiterhin finde ich es manchmal, wenn sehr viel Stress ist, doof, wenn erwachsene Menschen nicht ihre Sachen wegräumen können. Also überall Tassen, Müll und angebrochene Mateflaschen aufgeräumt werden müssen.

Was ich hingegen gut fand: Wir hatten keine Bundes-Pressemitteilung herausgegeben. Es war also nur ein wenig lokale Presse und ein sehr freundlicher niederländischer Journalist anwesend. Das schafft einen Schutzraum zum Diskutieren, in dem man unter Freunden ist. (Es ist auf der anderen Seite durchaus schade, dass eine Konferenz mit so vielen großartigen Vorträgen keine Beachtung findet in der Presse. Sind halt diese Inhalte. Mitunter sogar philosophisch. Kann man nicht so gut verkaufen.)

Auf dem Rückweg nach Dortmund habe ich mich mit @chaostom unterhalten, der das erste Mal bei der Open Mind war. Die Zusammenfassung ist vielleicht noch interessant. Gerade die Eindrücke eines „Neuen“ interessieren mich.

Wichtig fand ich in dem Zusammenhang auch den Tweet von @reticuleena über die Namensschilder. Wir hatten Namensschilder gedruckt und recht bald fanden sich Teilnehmer, die es lustig fanden, die Schilder einfach mal wild zu tauschen. Das ist vielleicht auch lustig unter den Insidern. Blöd ist es für Menschen, die neu in der Gruppe sind.

Wir reden über Sexismus, Diskriminierung und Sprache und was tun wir eigentlich, um Menschen auf so einer Konferenz den Einstieg zu erleichtern? Es ist doch ohnehin sehr schwer, wenn viele sich kennen. Was machen wir eigentlich, wenn jemand sich zu unserer Gruppe stellt, der da bisher keinen kennt? Der neu ist? Wie leicht machen wir es Menschen, die unsicher sind? Wem bieten wir ein Gespräch an?

Ich würde mich freuen, wenn wir dem Namen der Konferenz entsprechen würden. Wenn wir wirklich auch offen auf Neue zugehen und ihnen entgegengehen.

Die Open Mind 2013 wird wieder in Kassel stattfinden und zwar vom 23.-25.8.

Wir haben im Orgateam beschlossen, dass die Konferenz ein klein wenig wachsen darf. Wir buchen deshalb etwas mehr Betten und haben ein paar Teilnehmertickets mehr plus einen Raum, so dass drei Vorträge plus Barcamp gleichzeitig laufen können.
Um es für neue Interessierte leichter zu machen, werden wir einen Teil des Ticketkontingentes für Menschen reservieren, die noch nie auf der Open Mind waren in den letzten Jahren. Ich hoffe darauf, dass es für „Neue“ einfacher wird, wenn die Gruppe der „Neuen“ etwas größer ist im Verhältnis zu den alten Hasen. Ich wünsche mir auch noch mehr Vorträge und Anregungen von außerhalb der Filterbubble, damit wir nicht in die Gefahr geraten, in unserem eigenen Saft zu (ver-)schmoren.

Danke für zwei sehr schöne Tage. Danke für die Nackenmassagen (diese Stühle und diese Jugendherbergsbetten sind nichts für mich). Danke für Zuspruch und inspirierende Gespräche. Für anspruchsvolle Talks. Für Menschen, die mich in den Arm genommen haben. Ich habe viele von euch ganz furchtbar viel lieb… Ich hoffe, ihr wisst das. (Und jetzt bin ich ganz dankbar dafür und hoffe, dass ich nicht noch sentimentaler werde).

8 Gedanken zu „Open Mind 2012 – Gedanken von der Rückfahrt

  1. @NullPlusEins

    zu #pc13: Das scheint nen Hoax gewesen zu sein mit dem Termin um die #om13 Orgas etwas zu ärgern

    Wenn nächstes Jahr nicht wieder ein Freund am gleichen Wochenende wie die #om13 heiratet, werde ich hinkommen. Und dann einer der Neuen sein. Halte das Thema für sehr wichtig und finde es super, dass du es ansprichst. Ein paar Punkte die wir bei einer anderen Konferenz gelernt haben:
    – Insider aufklären (Wenig führt so sehr zu einem Ausgeschlossen-Gefühl, wie Insider die man nicht versteht)
    – Newbie-Ansprechpartner bereitstellen (Dann hat man mindestens einen Bezugspunkt. Und der Ansprechpartner kann einen dann i.d.R. relativ einfach an passende Leute weiterverweisen)
    – Immer wieder auf „Don’t complain-Do!“-Einstellung hinweisen. D.h. wenn irgendwas schief läuft, dann ist man selbst dafür verantwortlich es zu ändern.
    – Explizite Kennenlern-Track-Option am Anfang
    – Niedrigschwellige Vortragsmöglichkeit schaffen. – z.B. ScienceSlam (5Min pro Vortrag eher lustig gehalten); Buchvorstellung; 15-Minütige Impulsvorträge zu einem Thema)
    – so viele wie möglich irgendwie in die Orga einbeziehen (und sei es nur ein: „Du bist zwischen 10 und 12 dafür zuständig leere Mate-Flaschen wegzuräumen, ok?“)

    Ich habe einige der Vorträge am Stream verfolgt. Fand die Qualität der Vorträge sehr unterschiedlich, aber es waren auf jeden Fall viele Anregungen dabei, die ich spannend fand. Nicht ganz so gut haben mir _manche_ der Fragen / Diskussionsbeiträge / Zwischenrufe gefallen. Viel machen wird man da glaub ich nicht können. Was vielleicht hilft, wäre einfach irgendwo an die Wand ein „Be excellent to each other“ hinzupappen.

    1. Birgit Rydlewski Beitragsautor

      Wir aus dem Orgateam hatten nicht die Gelegenheit, alle Vorträge zu sehen. Ich hatte den ersten Tag Dienst in Raum 1 und davon sind mir vor allem die Vorträge von @antjeschrupp und @anatolstefanowitsch sehr positiv in Erinnerung. (Die Videos sind hoffentlich bald auf der Homepage verfügbar.) Ansonsten musste ich auch mal Dienst vorne am Infodesk machen oder sonst mich um Sachen kümmern. Wir stocken nächstes Jahr das Orgateam auf, weil wir dieses Jahr kaum jemanden zum Ablösen hatten.

  2. Jörg Friedrich

    Ich möchte nur ein Detail zu den Namensschildern loswerden. Sicher ist es gut, wenn man auch die Twitter-Nicknames schnell erfahren kann. Einige dieser Nicks kann man aber nicht aussprechen und sich auch weniger gut merken als einen „bürgerlichen Namen“. Für Leute, die „neu“ sind ist es außerdem blöd, wenn nur ein Nick auf dem Schild steht, von Insidern in Diskussionen aber mit „Klarnamen“ auf den Beitrag des „Nicks“ referenziert wird, sodass man nicht weiß, wer gemeint ist, und sich irgendwie draußen fühlt.

    Davon abgesehen: Es war wieder eine tolle Konferenz, ich habe viele Anregungen erhalten und danke den Organisatoren für die Arbeit!

  3. SeeroiberJenny

    Danke nochmal ganz herzlich für das Wochenende!
    Ich war dieses Jahr zum ersten Mal dabei und kann deshalb nicht mit den Vorjahren vergleichen. Aber ich scheine die gesamte Konferenz deutlich positiver wahrgenommen zu haben als du. Vielleicht lag das an deiner persönlichen Anspannung, aber sicher auch daran dass ihr mit wenigen Orgamenschen ganz schön viel zu stemmen hattet. Das habt ihr großartig gemacht und wir konnten entspannt an der Konferenz teilnehmen.
    Insgesamt empfand ich die Atmosphäre als freundlich und rücksichtsvoll. Feedback zu meinem Vortrag war konstruktiv und inspirirend. Auch der Umgang mit der sehr umstrittenen Nuklearia war ein mühsamer aber fairer.
    Wenn es Konflikte oder Missverständnisse gab war die Bereitschaft zu reflektieren da. Ich hab zB auch beim munteren Namensschildertauschen mitgemacht. Als Lasse mir erklärte, warum er das für problematisch hält, habe ich das weitergegeben und jeder hat es gleich verstanden.
    Fürs nächste Mal wünsche ich mir, dass ihr mehr Unterstützung habt und vielleicht ein breiteres Themenspektrum, falls die Einreichungen es hergeben.

  4. Mettwurstballett

    Ich war auch das erste Mal auf der Openmind, und kannte noch niemanden persönlich und nur wenige Personen etwas besser über Twitter. Ich bin kein Parteimitglied, verfolge aber die Aktivitäten der Piraten mit Interesse und Wohlwollen. Ich muss auch dazu sagen, dass ich zurzeit mit schwachem Selbstbewusstsein zu kämpfen habe. Das Wochenende war also schon eine gewissen Herausforderung. Vor allem ist meine Wahrnehmung des Umgangs miteinander entsprechend stark beeinflusst.

    Es war sicherlich schwierig ins Gespräch zu kommen, wenn andere sich bereits sehr gut kennen und ihre Themen haben. Da kam schon immer wieder das Gefühl auf, nicht dazuzugehören. Das ist kein Vorwurf, sondern ich halte es für relativ normal. Ich würde nicht behaupten, dass ich mich anders verhalte, wenn ich auf der anderen Seite bin. So war es auch kein Zufall, dass ich abends im Club mit ChaosTom und dem Schweizer (ich hab den Namen leider vergessen) an einem Tisch gelandet bin, was auch schön war.

    Allein zwischen mehreren sich gut unterhaltenden Gruppen zu stehen, ist schon eher unangenehm. Allerdings bin ich da auch unentspannt. Wenn das mal zwischendurch passiert, ist es rational gesehen überhaupt nicht schlimm, mein Hirn lässt da aber schnell mal unangenehme Gedanken/Gefühle frei.

    Hilfreich war auf jeden Fall, dass ich in einem 4-Bett-Zimmer (wie die meisten wahrscheinlich) untergekommen bin, und dadurch auch immer wieder Anlaufstellen hatte. Vor allem Parzival scheint sehr gerne zu quatschen. 😉

    Ich bin ein paar Mal angesprochen worden, häufig auch wegen meines ausgefallenen Nicknames. Besonders auffällig ist, dass das in etwa der Hälfte der Fälle Frauen waren (selektive Wahrnehmung? Zufall? oder hat das einen Grund?), obwohl nur etwa ein Viertel der OM-Teilnehmer Frauen waren. Dabei hat sich auch häufiger ein längeres Gespräch entwickelt.

    Ich hoffe, dass meine Darlegung der Sichtweise ein wenig hilft. Es ist nett, die Teilnehmer darum zu bitten, die Namensschilder nicht zu vertauschen, um keine Verwirrung aufkommen zu lassen. Und wenn jemand allein herumsteht, ist es gut möglich, dass er/sie sich sich freut, einfach mal gefragt zu werden, wo er/sie denn herkomme oder Ähnliches. Auch das Zusammenwürfeln von Neulingen und anderen auf den Zimmern ist hilfreich.

    Darüber hinaus kann ich nur sagen, dass das Wochenende gelungen war. Ich habe viele interessante, sympathische Menschen getroffen. Die allermeisten Vorträge waren sehr gut – mein Hirn hat noch den kompletten Sonntagabend weitergearbeitet. 🙂 Die Organisation lief aus meiner Sicht sehr gut. Ich kann also nur noch einmal Danke sagen! 🙂

  5. Valentin

    Wie sich doch die Wahrnehmungen unterscheiden können: Aggressivität habe ich überhaupt nicht erlebt; im Gegenteil habe ich mich in manchen Fällen gewundert, wie gelassen die Leute geblieben sind, wenn sie doch mal unerwünscht zugetextet wurden…

    Ja, die Open Mind hat was von einem Klassentreffen: Viele Teilnehmer kennen sich und gerade als kaum im Bund aktiver Pirat schätze ich die Gelegenheit, Kontakte zu Leuten zu pflegen, die man nur zwei, drei Mal im Jahr trifft. Natürlich hat gerade das die Kehrseite, Neue auszuschließen. Problematisch fand ich das insbesondere im Cuba-Club: Letztes Jahr fühlte ich mich dort als Spätankömmling als absoluter Außenseiter. Dieses Jahr habe ich das weniger schlimm erlebt, weil ich schnell eine Gruppe gefunden habe, aber trotzdem schaffen die wenigen vorhandenen Sitzgelegenheiten zu schnell kleine, geschlossene Zirkel.

    Wenn wir nicht aktiv versuchen, Menschen außerhalb der „Inner Circle“ zu integrieren, wird die om komplett zum Socializing-Event und es kommen nur noch die Leute dazu, die selbst offensiv auf andere zu gehen, also genau den Menschenschlag, der die klassischen Parteien dominiert. Eine Idee, die ich aber selbst problematisch finde, wäre, Erst-Teilnehmer besonders zu kennzeichnen (z.B. auf dem Namensschild) und mehrfach darauf hinzuweisen, diese Leute wenn immer möglich in ein Gespräch zu integrieren. Könnte funktionieren, aber ebenso die Zwei-Klassen-Gesellschaft verfestigen.

  6. JoSch

    Vielleicht sollten wir einfach ein paar Tutoren gewinnen, die Neuteilnehmer oder solchen, die nicht so einfach auf andere zu gehen können (ich kenne das nur zu gut), unter die Arme greifen.
    Die Tutoren können vielleicht einfach den Zugang zur In-Crowd als jemand, der nicht einfach Leute, die man nicht gut kennt, ansprechen mag.
    Es wäre schön, wenn sich solche Leute gleich mal melden könnten, damit wir in der Orga schon mal wissen, ob wir dafür genug Leute zusammenkriegen.

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