Informationsreise nach Alkmaar zum Oranje Huis

Informationsreise des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation zum Oranje Huis in Alkmaar/NL am 17.5.2013:

Zunächst ein paar (deutschsprachige) Informationen zu dem Haus und dem dort praktizierten Ansatz, die ich im Netz gefunden habe:

http://www.frauenhauskoordinierung.de/fileadmin/redakteure/pdfs/Fachforen/8.Fachforum_2011/Schenkels_Oranje_Huis.pdf

https://www.blijfgroep.nl/sites/default/files/infoFleafletduits.pdf

Gewaltschutzgesetz ähnlich wie in Deutschland.

Organisation: blijf groep (NGO – Stiftung mit kleinem Förderverein)

Idee bei Arbeitskonferenz des Frauenhauses in Alkmaar in 2005. Geheimhaltung der Adressen von Frauenhäusern funktioniert nicht lange, deshalb Konzept überarbeitet. Unterstützung durch Kommune, Polizei, Justiz etc.

Damals: Autonomes Frauenhaus und andere Frauenhäuser, die zusammengearbeitet haben. Idee: um differenziertes Angebot gewährleisten zu können, Kontakt gesucht mit anderen autonomen Frauenhäusern mit einer Fusion dieser in einer Organisation.

Konzept seit 3,5 Jahren. (Inspiriert von akademischen Studien, Untersuchungen und internationale Beispielen)

Es gibt in den Niederlanden auch Männerhäuser: Bei den Gesamtfällen der häuslichen Gewalt sind noch zu 80 Prozent Frauen betroffen. Aber es gibt auch Gewalt gegen Männer. Es gibt vier Männerhäuser mit ungefähr je 10 Plätzen. Ähnliches Konzept wie in Alkmaar. Gewalt bei homosexuellen Beziehungen vorhanden, aber auch von Frauen gegen Männer. Dies ist aber auch oft noch ein Tabuthema. (Männer trauen sich sehr selten, davon zu erzählen.)

Grundkonzept:

Nicht geheim, aber sicher
Hilfeleistung für alle Familienmitglieder
24/7 erreichbar
20 Mitarbeiter*innen
12 Krisenbetreuung
9 betreutes Wohnen
3 Notbetten

„Es genügt nicht, Frauen zu schützen, wenn wir die Gewalt beenden wollen.“
„Gewalt beenden, nicht Beziehungen beenden.“

Gespräche mit beiden Partnern:

Wie ist die Gewalt entstanden?
Wann passiert Gewalt?
Wie ist die individuelle Geschichte?

Projekt vom Landesministerium finanziert (2009-2011)

Neubau (Beratung, Wohnen, Krisenbetreuung an einem Ort) = auch Bündelung der Kräfte!
Konzeptentwicklung

Das Oranje Huis ist ein offen sichtbares Haus. (Die Frauenhäuser in Deutschland sind meist in Häusern, die nicht nach außen offen als Frauenhaus erkennbar und mit „geheimen“ Adressen.)

Im Oranje Huis wird der Kontakt zum sozialen Umfeld erhalten.

„Die Frau braucht sich nicht verstecken. Sie hat nichts falsch gemacht. Sie ist Opfer von Gewalt.“

Viel Hilfe beim Bau des Hauses. Zusammenarbeit mit Betrieben (Loreal nimmt jedes Jahr zwei Auszubildende und hat den „Wellnessraum“ (in dem ehrenamtlich Friseur*innen und zwei
Mal im Jahr Loreal Frisuren, Make-up, Nageldesign etc. anbieten) eingerichtet, lokale Malerbetriebe die Wände gestrichen etc.)

Ausgangspunkte:

Jeder ist verantwortlich für die eigene Sicherheit
Jeder ist verantwortlich für das eigene Verhalten
Physische Gewalt und Bedrohungen müssen beendet werden
Menschen sind lernfähig
System- und Frageorientiert

Sicherheit wird unterschieden in tatsächlich sichere und unsichere Situationen und das Erleben von sicheren und unsicheren Situationen. Fakten werden am Anfang in einer Risikenanalyse (Rot=auch Zusammenarbeit mit Polizei). Abhängig davon wird ein Plan erstellt. Eigene Erfahrungen beeinflussen das Empfinden von Sicherheit. Mit Kindern wird ebenfalls ein Sicherheitsplan erstellt (Abgleich von Risiken- und Sicherheitsplänen alle 6 Wochen). (Die Sicherheit der Kinder hat oberste Priorität.)

Systemorientierung:

Nicht nur Opfer herausholen, sondern Analyse der Situation und Änderung der Situation
Möglichst zusammen reflektieren.
Unterschied der Rolle als Eltern und als Partner (Eltern bleiben sie auch, wenn sich Partner trennen)
Gruppen für Kinder

Viele Männer haben nicht realisiert, dass die Gewalt gegen die Frau auch großen Einfluss auf die Kinder hat und da stark traumatisierend wirkt. (Teilweise wird angenommen, die Kinder würden das nicht mitbekommen.)

Auch für Männer bedeutet das eine Krise. Es fällt auch gewalttätigen Männern schwer, darüber zu sprechen, dass sie ihre Frau geschlagen haben und diese sie deshalb mit den Kindern verlassen hat. Es ist deshalb wichtig für langfristige Veränderung, dass jemand auch mit dem Mann spricht/zuhört/arbeitet.

Auch andere Familienmitglieder werden einbezogen in die Gespräche, soweit dies möglich ist.

(Pro Familie ein fester Mitarbeiter/eine feste Mitarbeiterin.)

Erstellung eines Familienplans (mit Plänen für jedes einzelne Mitglied der Familie) innerhalb der ersten sechs Wochen mit Analyse der Stärken und Möglichkeiten. Resultate können sehr unterschiedlich sein, von weiter zusammenwohnen über getrennte Wohnungen oder betreutem Wohnen bis zum Umzug in eine andere Stadt etc.

Frauen haben berichtet, dass in normalen Frauenhäusern das Problem für Frauen oft war, dass sie sich beobachtet gefühlt haben und dort die normalen Routinen, die sie vorher gelebt haben, nicht weiterführen konnten. Im Oranje Huis gibt es also Privatsphäre, somit für jede Frau ein eigenes Appartement und die Mitarbeiter*innen kommen nie ohne Einladung in diese Wohnung. Es gibt Kinderbetreuung jeden Tag im Haus.

Es gibt sehr viel mehr Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen in der Region. Netzwerkpartner werden im Haus empfangen.

Erfahrungen:

Klient*innen bleiben durchschnittlich 6 Wochen
Aus der Region
Meist Frauen mit Kindern
6 von 10 Frauen einverstanden mit Kontakt mit dem Mann
(Die 40 Prozent sind meist mit hohem Risiko)
Kontakte mit dem Partner meist telefonisch

Kontakt mit dem Mann durch Organisation auch bei Trennung wichtig, damit dieser Mann nicht noch einmal Täter wird in der nächsten Beziehung.

Klientinnen fühlen sich sicher, obwohl es keine geheime Adresse gibt
Trennung von Hilfe und Wohnen (also das Wahren der Privatsphäre etc.)
Dass auch Männer in dem Haus zu Besuch sind, wird unterschiedlich aufgenommen. Nach akuten Gewalterfahrungen ist das subjektive Sicherheitsempfinden entsprechend.

Finanzierung:

Gemeinden bekommen Geld vom Landesministerium. Gemeinden tragen einen Teil der Kosten für die Frauenhäuser.
Alle ambulante Leistung ist finanziert von der Gemeinde.
Plus besonderes Gesetz für besondere Krankheitskosten, aufgrund dessen es auch Finanzierungsmöglichkeiten gibt (der Anteil wird aber gerade heruntergefahren).
Plus Spenden, Sponsoring etc.

Es scheint aber weniger Bürokratie zu geben bei der Finanzierung und den Sozialleistungen.

Übergangsmanagement einfacher, weil dies auch vom Haus aus angeboten werden kann.
In Amsterdam ist dies seit einiger Zeit durch ambulante Betreuung ausgeweitet worden, also Besuch Zuhause, um die Familien vor Ort zu betreuen.

Frauen sind meist ohne Ausbildung, können Sozialleistungen beantragen. Zwischen 30 und 35. Anders als in den Regionen. Dort auch Frauen mit akademischem Hintergrund und Beruf. Andere Möglichkeiten des Umgangs mit Gewalt. Frauen gehen dann ins Frauenhaus, wenn sie sonst kein Netzwerk, keine andere Wahl (meist auch kein Geld) haben. In 80 Prozent mit klinischem Trauma. Mit Depressionen etc. (Anders als in Deutschland werden hier Frauen mit ernsten psychischen Problemen und/oder Suchtproblemen nicht generell abgelehnt! Das geht vor allem deshalb gut, weil im Haus eigene Appartements für die Frauen vorhanden sind. Es gibt im Oranjehuis weniger Konflikte unter Frauen.) Auch bei Fragen zu Behinderungen sehr inklusiver Ansatz: „Nicht die Frau muss zu uns passen. Wir müssen für die Frau passend werden/sein.“

In großen Städten mit sehr unterschiedlichem Herkunft (in Amsterdam mehr als in Alkmaar). Jüngere Frauen mit Migrationshintergrund akzeptieren viel weniger Gewaltsituationen.

(Zwischenbemerkung: Aus unserer Gruppe gab es mehrere Fragen zum Migrationshintergrund der Frauen/Familien. Ich empfand den Hintergrund der deutschen Politiker*innen und die sehr offenen Antworten der niederländischen Mitarbeiter*innen der Institution spannend. Es zeigte sich hier m.E. ein Unterschied im Umgang mit Migrant*innen von der Denkweise/vom Ansatz. Letztendlich ist jeder Fall individuell zu sehen.)

Diskussionen darüber, ob bei dem Konzept nicht die Wurzeln verraten wurden. Frauenhäuser sehen sich natürlich noch als Vertreter der Frauen, sehen ebenfalls die gesellschaftliche Benachteiligung der Frau, nehmen aber den Mann an, weil sie den Menschen akzeptieren, aber das Verhalten ablehnen. Es wird zudem sehr viel auf die individuelle Situation der Frau/der Familie geachtet.

Hoffnung bei dem neuen Konzept war, dass sich weniger Frauen und Männer trennen. Dies ist nicht eingetroffen. Mehr Frauen trennen sich. Die Frauen gehen viel bewusster damit um und die Änderung beider Partner ist stärker. Die Entscheidungen sind bewusster. Besser geworden durch den Familienplan und das Einbeziehen des Mannes ist der Umgang mit den Kindern auch in der Folge der Betreuung. Derzeit fehlt aber noch die Kooperation mit einer Universität, weil eine Langzeituntersuchung fehlt. „Frage: Beenden wir wirklich die Gewalt?“

Rundgang im Haus:

Schleuse für die Sicherheit beim Eingang. Kameras an mehreren Stellen außen.
Hausbewohnerinnen haben Schlüssel, um sich im Haus frei bewegen zu können. Jede Bewohnerin darf zwei Gäste empfangen.
Trennung von Hilfe und Wohnen: im Erdgeschoss Büros und Räume für Gespräche mit Familien/Männern etc./Appartements oben im Haus
In der ersten Etage Räume für die Kinder (auch für Gesprächsgruppen mit Kindern).
In der Etage darüber Gemeinschaftsräume, Waschmaschinen etc. Im Obergeschoss Appartements. Eine Frau hat uns erlaubt, das von ihr derzeit bewohnte Appartement anzusehen. Kleines, einfach eingerichtetes Wohnzimmer mit Küche. Bad. Schlafzimmer.

Insgesamt ein sehr helles, freundlich orange gestrichenes Gebäude mit großen Fenstern und Balkonen und sehr kompetent wirkenden und sehr freundlichen Mitarbeiter*innen.

Ich fand es zudem spannend, dass wir im Haus herumgeführt wurden. Das ist bei meinen Besuchen in Frauenhäusern in Deutschland in dieser offenen Form nicht möglich gewesen (was ich auch nachvollziehen kann, weil die Frauen nicht so zu „Schauobjekten“ werden sollen).

Fazit:

1. Zusammenschluss mehrerer Frauenhäuser und Institutionen sinnvoll.
2. Auch deutsche Frauenhäuser überlegen derzeit, von den geheimen Adressen wegzugehen und die Angebote zu öffnen.
3. Das Einbeziehen der Familie, der gewalttätigen Partner ist überlegenswert für langfristigen Erfolg bei der Arbeit gegen Gewalt/häusliche Gewalt.

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Informationsreise Schulausschuss 17.4.

Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung macht in diesem Kalenderjahr drei Informationsreisen in NRW. Heute also die erste dieser Fahrten, bei der jeweils mehrere Schulen besucht werden. Schwerpunkt wird natürlich aufgrund der anstehenden politischen und gesellschaftlichen Aufgabe der Besuch von praktischen Beispielen zur Umsetzung von Inklusion sein.

Erste Schule: LVR-Förderschule Anna-Freud-Schule (AFS) Köln

http://www.anna-freud-schule.de/

(Spannend, weil es kaum Schulen gibt im Förderbereich, die auch Sek. II anbieten, also die Möglichkeit, Abitur zu erwerben.)

Nach der Begrüßung bekommen wir zunächst einige Informationen vom Schulleitungsteam.

Kerndaten: 300 Schülerinnen und Schüler. Vielfältige Möglichkeiten zur Therapie z.B. Logopädie, Ergotherapie, Schulpsychologie, Pflegepersonal etc.
Viele LehrerInnen mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung.

Oberstufe 2/3 körperbehinderte Schüler und Schülerinnen. Großer Anteil Asperger. Aber auch Kinder und Jugendliche mit Angststörungen etc. 1/3 nicht-behinderte Schüler*innen aus der im Gebäude angesiedelten Realschule. Erwerb zusätzlicher Sozialkompetenz in der Folge erkennbar.

Ganztagsschule.

(Betongebäude. Man könnte Schulen schon hübscher bauen….)

Idee: Schüler und Schülerinnen selbstständig machen, auch mit schwersten Behinderungen, für ein Leben nach der Schule
Befähigen zur „Teilgabe“: ihre persönlichen Kompetenzen aktiv in die Gesellschaft einbringen.

Grundlage: Diagnose von Stärken/Schwächen und gezielte Förderung

60-70 Prozent der Schüler*innen werden abgelehnt (aus Kapazitätsgründen). Die wichtigsten/“schlimmsten“ Fälle werden angenommen. Mittlerer Schulabschluss muss prognostiziert sein und die Schüler*innen, die angenommen werden, hätten diese Chance an einer Regelschule nicht.

Großer Anteil Vernetzung mit außerschulischen Partnern, auch zur Berufsvorbereitung

Inklusion ist das eigentlich nicht in dieser Schule, denn Schüler und Schülerinnen werden ausgewählt. Die Schule ist nicht offen für alle. Prozessorientierter Inklusionsbegriff.
Ansicht, dass Elternwille gestärkt werden soll. In dieser Schule haben die behinderten Schüler*Innen die Mehrheit. Ansicht, dass ein Anteil der behinderten Schüler*innen in der Rolle des „Besonderen“, der Minderheit in allgemeinbildenden, inklusiven Schulen nicht zurecht käme.

Ein vorgestellter Arbeitsschwerpunkt: Nachteilsausgleich. Grundsatz der Chancengleichheit soll Rechnung getragen werden. Individuelle Benachteiligung soll berücksichtigt werden. Zu Beginn berät Klassenkonferenz und beschließt für alle Schüler*innen individuellen Nachteilsausgleich.
Das kann sein: die Darstellung von Aufgaben (Sehbehinderung zum Beispiel mit größerer Darstellung oder andere Papierfarbe), zu verwendende Hilfsmittel (Schreib-/ Lesehilfsmittel, Hilfe durch unterstützendes Personal etc.), Zeitzugaben, Strukturierungshilfen.

Zentralabitur. Zielgleicher Unterricht, deshalb Teilnahme an zentralen Prüfungen.

Es folgten zwei Kleingruppenphasen. Einmal kurzer Rundgang zur Logopädie und zu einer Unterrichtsgruppe (leider wirklich sehr knapp) und ein sehr angenehmes Gespräch mit Schüler*innen aus unterschiedlichen Klassen/Jahrgangsstufen mit und ohne Behinderung.
Die Schüler*innen vertraten dabei unterschiedliche Meinungen bezüglich Inklusion. Während einige Schülerinnen der Oberstufe ohne Behinderung, die von der benachbarten Realschule gewechselt waren, eher die Auffassung vertraten, dass es wie hier praktiziert (also überwiegender Teil behinderte Schüler*innen) besser sei als die Variante mit vielen „normalen“ und wenigen behinderten Schüler*Innen, vertrat die jüngere Schülerin aus der neunten Klasse die Meinung, dass sie einen gemeinsamen Unterricht mit der Realschule bevorzugen würde, weil sie dort sehr viele Freund*innen habe.

Es wird an der Schule der Begriff der „realistischen“ Inklusion verwendet. Es sollte ein plurales Angebot geben. Förderschulen sollten nicht alle geschlossen werden. Im Sinne des UN-Begriffes ist das möglicherweise problematisch.

Da ein Teil der Schüler*innen von weiter weg kommt, ist ein Internat in der Nähe.

Persönliche Zwischenbemerkung: Besonders im Gespräch mit Schüler*innen merke ich, wie mir Schule fehlt….

Zweite Schule: Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel (IGS)

http://www.gebonn.de/

Baulich ganz anders. Große, helle Räume mit vielen Fenstern. Mensa mit Sitzbereich draußen (fein in der Sonne), großzügiges, freundliches Treppenhaus.

Kurze Phase mit Unterrichtsbereich. Freiarbeit in einer 6. Klasse mit einem Lehrer und einer Lehrerin im Team plus zwei Begleiter für jeweils eine Schülerin und einen Schüler.

Danach Powerpointpräsentation durch die Schulleitung. Ein wenig zur Gründung der Schule, zur Arbeit an der Schule sowie den aus deren Sicht wichtigen Bedingungen für inklusiven Unterricht.

Kerndaten: 7 Prozent Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, 21 Prozent Schüler*innen mit Migrationshintergrund, zu Beginn drei Leistungsgruppen.

Demokratische Schule, lange Tradition paritätischer Gremien (Schüler*innen, Eltern, Lehrer*Innen), Feedbackkultur.

Gemeinsamen Unterricht seit 1985, Schüler*innen allerdings ausgesucht durch die Schule. Damals aber auch schon Unterricht im Team.
Seit 2010/2011 echtes Losverfahren (bis zur Kapazitätsgrenze, auch für verschiedene Förderschwerpunkte begrenzt).

26 Schüler*innen in einer Klasse zusammen (davon 6 Förderschüler*Innen mit möglichst verschiedenen Förderschwerpunkten), Doppelbesetzung (vor allem bei neuen Klassen, jüngeren Schüler*innen). Derzeit wird aber die Finanzierung der Doppelbesetzung schwerer, deshalb ist eine Ausweitung des gemeinsamen Unterrichts unsicher.
(Es gibt lt. Aussage des didaktischen Leiters keine zusätzlichen Kapazitäten zum Beispiel für Schulleiter*innen zur Planung etc.)

Schulen wurden unter anderen Voraussetzungen gebaut. Es fehlen also Räume für Gruppenarbeit, sanitäre Anlagen etc.

Es fehle in der Lehrer*innenausbildung an Kompetenz bei Fachleiter*innen, so dass eventuell Referendar*innen bei Prüfungen m GU Nachteile haben könnten. (Außerdem fehle jungen Lehrer*innen an Zusatzausbildung.

Es brauche:

Zuverlässige Rechtsgrundlagen, professionelle Organisation, ausreichend Lehrerarbeitszeit

Danach noch Gesprächsrunden mit Schulleitung, Schüler*innen und Eltern zum Klären von Fragen und zum Austausch. Hierbei wird deutlich, dass die Befürchtung besteht, dass im Schulrechtsänderungsgesetz die unterschiedlichen Bedingungen von Schulen nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Es zeigen sich Widersprüche zu den Aussagen in der ersten Schule. (Hier werden gerade nicht Schüler*innen mit demselben Förderschwerpunkt in einer Klasse beschult. Zudem sind die behinderten Schüler*innen in der Minderheit. Sowohl Schulleitung, als auch Schüler*innen sprechen sich klar für ein gemeinsames Lernen aus, zum Beispiel, weil hier die Sondersituation einer Förderschule wegfällt und Grenzen im Umgang schneller gelernt werden. Der Unterricht wird teilweise zieldifferent, teilweise zielgleich durchgeführt. Die Schüler*innen werden aber weitgehend im Klassenverband mitbeschult. Auch die von den Schüler*innen der Anne-Freud-Schule befürchtete Mobbingsituation in der Pubertät wird als nicht überdurchschnittlich problematisch eingestuft. )

Hilfreich wäre ein Pool von Schulbegleiter*innen. (Da muss vor allem geregelt werden, welche Zuständigkeiten sich daraus ergeben (Jugendamt etc.)

Bisher laufe der große Teil der inklusiven Schulangebote an Gesamtschulen.

Fazit:

Wir haben heute in zwei völlig unterschiedlichen Schulen sehr engagierte Schüler- und Lehrer*innen erlebt. Derzeit ist gelingende Inklusion aber sehr abhängig vom Engagement einzelner Schulleiter*innen, Lehrer*innenteams, Elterninitiativen etc.

Ich für mich möchte die Utopie eines wirklich inklusiven Schulsystems, in dem alle zusammen lernen können, noch nicht aufgeben, weil es Menschenrecht ist, aber auch, weil ich es für alle Beteiligten als bereichernd ansehe. Das Problem, was ich dabei sehe, ist in erster Linie die Finanzierung (zum Beispiel für Ausbildung, Fortbildungen, Teamteaching etc.)

Auf der anderen Seite sehe ich gerade im Schulsystem viele Bedenkenträger*innen, die einer großen (in meinen Augen dringend notwendigen) Reform hin zum echten individuellen Lernen im Weg stehen.

Insgesamt ein wirklich schöner, inspirierender Tag <3

PiratInnenkon – vorläufiges Fazit

Ich war am Wochenende bei der @PiratInnenkon
http://wiki.piratenpartei.de/PiratinnenKon

Hierbei handelte es sich um die erste (und hoffentlich nicht letzte) Veranstaltung mit sowohl interessantem (und für Piratenveranstaltungen neuem) Konzept und dem zudem kontrovers und emotional diskutiertem Genderthema.

Zunächst einen ganz großen Dank an alle Orgamenschen und auch an alle TeilnehmerInnen. Es war super vorbereitet und ich fand (bis auf wenige Ausreißer) die Atmosphäre sehr angenehm.

Die Veranstaltung wurde eröffnet durch die Keynote von @vonhorst (die vermutlich einigen TeilnehmerInnen schon zu feministisch war). Ich persönlich fand die Keynote angemessen (im Grunde sogar recht brav, aber um nicht zu polarisieren, passend).

Danach wurden in dem sogenannten Worldcafé in mehreren Runden an vielen Tischen die folgenden Fragen diskutiert:
http://wiki.piratenpartei.de/PiratinnenKon/Fragen_im_World_Cafe

Der Vorteil solcher Techniken ist, dass sehr viele Menschen sich gleichzeitig in den Prozess einbringen können. Viele Diskussionen laufen parallel (in dem Fall 8 Runden mit jeweils 15 Minuten), werden erweitert und letztendlich zusammengefasst. Ein Beispiel für die Frage, die ich als Host an einem Tisch betreut habe:

https://birgit-rydlewski.de/2013/04/06/piratinnenkon/

Das Format war also abweichend von Veranstaltungen mit Vorträgen, welche ich auch sinnvoll finde, aber nicht unbedingt, um Diskussionen zu gestalten, eher als Input bei komplexen Sachverhalten.

Die Art der Prozessgestaltung minimiert zudem dominantes Redeverhalten. Es kommen schlicht mehr Menschen zu Wort und können ihre Sicht einbringen.

Die Zusammenfassungen können in vier Minuten natürlich nur einen Bruchteil der Ergebnisse oder andiskutierten Aspekte vermitteln. Ich sehe die gesamte Konferenz als Aufbruch, um jetzt weiterzumachen.

In einer weiteren Phase erfolgte das „storytelling“ in Gruppen mit drei Personen. Ich hatte das Glück, die Geschichten zweier sehr spannender Menschen hören zu dürfen und in diesem Schutzraum ein wenig von meine Geschichte erzählen zu können.
Hierbei war die grundlegende Frage, wie wir zu dem Genderthema und auch wie wir zu den Piraten gekommen sind. Die Kleingruppen waren sinnvoll und auch der geschützte Raum. Das Thema ist für viele Menschen sehr emotional. Teilweise ging es auch um eigene Erfahrungen mit Missbrauch, Übergriffigkeiten, Sexismus etc. Es hat mich sehr berührt. (Und ehrlich gestanden finde ich es absolut unangebracht, wenn Menschen sich über diese Phase der Arbeit in abwertender Weise äußern (Selbsthilfegruppe) wie teilweise auf Twitter geschehen. Allerdings hätten die ProzessbegleiterInnen deutlicher machen können, dass die Teilnahme (wie überall) freiwillig ist und eventuell auch überfordernd sein könnte.)

Den Teil mit der Fishbowl fand ich nicht so überzeugend. Vielleicht war ich einfach auch müde zu der Zeit.

Am zweiten Tag wurde dann versucht, konkrete Ergebnisse abzuleiten. Hierzu gab es (mit Vorarbeit in Kleingruppen) wiederum ein Worldcafé, dieses Mal mit etwas anderen Zeitvorgaben und daher nur noch vier Runden. Hierbei wurde weitergedacht, was in die konkrete, zukünftige Arbeit einfließen kann und wie wir dies konkret angehen wollen.

Unter dem oben stehenden Link zum Wiki findet ihr unten eine Zusammenfassung von @_noujoum

Über meine Sicht auf „postgender“ muss ich vermutlich mal gesondert schreiben….

PiratInnenkon

Ergebnisse Worldcafé

Kurze Erläuterung: Bei der PiratInnenkon wurde im ersten Schritt des Prozesses in der Methode des Worldcafés gearbeitet. Dabei wurde in acht Runden zu diversen Fragen (unter anderem der unten stehenden Frage, für die ich als Host eingesetzt war) diskutiert. Nach 15 Minuten haben die TeilnehmerInnen zum nächsten Tisch und damit zur nächsten Frage gewechselt. Die Thematik wurde dabei zunehmend erweitert und differenzierter diskutiert. Die Vorstellung der Ergebnisse der einzelnen Fragen/Diskussionsrunden erfolgt im Stream durch die Hosts.

Frage: Wie hat sich die Frauenbewegung auf dein sexuelles Erleben ausgewirkt?

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(Ich versende die Datei auch gerne auf Anfrage per Mail.)

Postgender und die PiratInnenkon

Am 6. und 7. April findet in Berlin die PiratInnenkonferenz statt:

http://wiki.piratenpartei.de/PiratinnenKon

Darüber ist an vielen Stellen diskutiert worden. Unter anderem entstand von einigen PiratInnen dieser Text:

https://wiki.piratenpartei.de/Menschenwerdenmenscheln

Nun wissen wir ja, dass Diskussionen via Twitter etc. im Allgemeinen zu nicht viel Klärung führen. Je mehr die Beleidigungen werden, desto unwahrscheinlicher wird die Klärung.

Probieren wir es anders. Spontan habe ich die Idee, dass wir uns mit Interessierten vor der Piratinnenkonferenz treffen, um zu diskutieren, so dass ich/wir diese Ergebnisse mit zu der Konferenz nehmen können.

Angebot: Wir treffen uns am Mittwoch, den 03. April im Wahlkreisbüro in Dortmund. Abends ist vermutlich besser, also biete ich 18.00 Uhr an.

Ich weiß, das ist kurzfristig. Ich hoffe trotzdem, dass wir zu einem konstruktiven Gespräch kommen.

Hier das Pad: http://piratenpad.de/p/Gespräch_PiratInnenkon

Der Antrag mit der Frauenquote

Mal wieder ein Dilemma:

Die Piratenpartei, erst recht in NRW, ist nicht für eine Frauenquote. (Bei der Frage an die KandidatInnen in Berlin auf der Aufstellungsversammlung konnte ich noch schlechter gucken als aktuell, meine aber, dass eine große Mehrheit die Karten für eine Frauenquote in Führungspositionen gehoben hat.)

Nun haben wir am Freitag folgenden Antrag im Plenum:

http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?Id=MMD16/2277

Hierbei geht es um die Forderung an die Bundesregierung, die EU-Vorgaben bezüglich einer Frauenquote in börsennotierten Unternehmen umzusetzen.
Frauen sind, obwohl oftmals sehr gut ausgebildet, gerade in einflussreichen, börsennotierten Unternehmen in Deutschland stark unterrepräsentiert. Man spricht von der sogenannten „gläsernen Decke“.

Leider sehe ich in der Piratenpartei auch bisher keine anderen Vorschläge, diesen Missstand zu beheben. Ich habe die Quote auch mal für unnötig gehalten, da aber aus einer durchweg privilegierten Position argumentiert, die ich selber auch erst einmal erkenne musste.

Ich glaube heute nicht mehr, dass wir die Gesellschaft einfach so durch Einsicht verändern können. Ich befürchte, dass gerade in Gremien mit Führungspersonen weiße, ältere Männer sich gegenseitig bestätigen und damit eine patriarchale Struktur fortführen. Dies wird kaum ohne Zwang und durch reine Freiwilligkeit aufzubrechen sein. Wer gibt in so einer Position gerne freiwillig Macht ab?

Ich mache mir also mal wieder Feinde, denn ich gehe davon aus, dass ich für diesen Antrag stimmen werde.

(Ob ich dazu reden werde, ist noch unklar. Ich müsste komplett frei reden, weil ich noch nicht schnell genug lesen kann mit der Netzhauterkrankung. Zudem würde ich vermutlich die Position der Partei hier kaum vertreten können. Ich kann und will nicht gegen eine Quote reden.)