Änderung der APO-BK

Heute gab es eine kurze Sondersitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung.

Natürlich wieder mit ganz vielen Formalien, an denen ich auch immer mal scheitere (zum Beispiel habe ich „Präsident“ statt „Vorsitzender“ gesagt. War halt noch früh und das mit dem Präsidenten hatte ich doch endlich so schön abgespeichert für die Plenarsitzungsrede. Natürlich gibt es auch feste Sitzplätze). (Das aber heute mal nur am Rande.)

Im Wesentlichen ging es neben Terminabsprachen um den Punkt der rückwirkenden (!) Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für das Berufskolleg. Im Wesentlichen beziehen sich meine Bedenken auf die Änderungen für die Bildungsgänge, die den Erwerb der Fachhochschulreife anstreben (Höhere Handelsschule zum Beispiel).

Hierin finden wir Folgendes (bei zu viel (Formalfoo-) Text bitte weiterscrollen bis zu meiner Erläuterung):

  1. Die Inhaltsübersicht wird wie folgt geändert:
    1. Im Wortlaut zu § 5 werden die Wörter „und erweiterte berufliche Kenntnisse“ gestrichen.
    2. Im Wortlaut zu ,,2. Abschnitt“ werden die Wörter „und der Prüfung zum Erwerb erweiterter beruflicher Kenntnisse“ gestrichen.
    3. Im Wortlaut zu § 6 werden die Wörter „und der Prüfung zum Erwerb erweiterter beruflicher Kenntnisse“ gestrichen.
    4. Der Wortlaut zu § 13 wird durch die Angabe ,,(aufgehoben)“ ersetzt.
  2. In § 2 Absatz 2 wird Nummer 2 wie folgt neu gefasst:
    „2. Die Ausbildung erfolgt in Vollzeitform-und vermittelt in zwei Jahren berufliche Kenntnis-se sowie den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Der Bildungsgang ermöglicht in Verbindung mit einern einschlägigen halbjährigen Praktikum, einer abgeschlossenen mindestens zweijährigen Berufsausbildung nach Bundes- oder Landesrecht oder einer mindestens zwei-jährigen Berufstätigkeit den Erwerb der Fachhochschulreife. Für Schülerinnen und Schüler, die eine Hochschulzugangsberechtigung erworben haben, kann der Bildungsgang als einjähri-ger Lehrgang in Vollzeitform angeboten werden. Dieser vermittelt allein berufliche Kenntnisse.“
  3. § 5 wird wie folgt geändert:
    1. Im Wortlaut der Überschrift werden die Wörter „und erweitelie berufliche KeImtnisse“ gestrichen.
    2. Absatz 1 wird wie folgt geändert:
      1. Die Absatzbezeichnung ,,(1)“ wird gestrichen.
      2. Die Wörter „werden am Ende des ersten Jahres“ werden durch die Wörter „Satz 3 wer-den am Ende des Bildungsganges“ ersetzt.
    3. Absatz 2 wird aufgehoben.
  4. Im Wortlaut zu ,,2. Abschnitt“ werden die Wörter „und der Prüfung zum Erwerb erweiter-ter beruflicher Kenntnisse“ gestrichen.
  5. § 6 wird wie folgt geändert:
    1. Im Wortlaut der Überschrift zu § 6 werden die Wörter „und zur Prüfung zum Erwerb er-weiterter beruflicher Kenntnisse“ gestrichen.
    2. In Absatz 1 werden die Wörter „und zur Prüfung zum Erwerb erweitelier beruflicher Kenntnisse“ gestrichen.

Mit einer dazu gehörigen Begründung:

Nach § 2 Absatz 2 NI. 2 können bisher in dem zweijährigen Bildungsgang bei entsprechenden Leistungen im berufsbezogenen Bereich nach der Jahrgangsstufe 11 berufliche Kenntnis-se (Zertifikat) und erfolgreicher Prüfung nach der Jahrgangsstufe 12 erweiterte berufliche Kenntnisse (Zertifikat) erworben werden. Die Fachhochschulreife-Prüfung erfolgt in drei Fächern (Deutsch, Englisch und Mathematik oder einem Fach des fachlichen Schwerpunktes aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich). Mit Bestehen der Prüfung wird der schulische Teil der Fachhochschulreife zuerkannt. Die Stufung des Bildungsgangs in a) berufliche Kenntnisse und b) erweiterte berufliche Kenntnisse hat sich nicht bewährt, da sich Zertifikate über erweiterte berufliche Kenntnisse in der Praxis als nicht hilfreich erwiesen haben. Die Vorschriften werden deshalb durch Aufhebung der Regelungen zu den erweiterten beruflichen Kenntnissen gestrafft. Dies gilt auch für den einjährigen Lehrgang für Schülerinnnen und Schüler mit einer Hochschulreife. Gleichzeitig werden die Regelungen zur Fachhochschulreife-Prüfung in diesem Bildungsgang den Regelungen der Fachoberschule angepasst. Wie auch in den anderen Bundesländern besteht die Prüfung zukünftig aus vier Prüfungsfächern (Fach des fachlichen Schwerpunktes, Mathematik, Deutsch/Kommunikation, Englisch).

Ich schätze, man kann darüber streiten, ob die Begründung stichhaltig ist und ob es sich hier wirklich um eine Verbesserung der APO-BK (Abschnitt C) handelt. Für Lehrer könnte es eine Erleichterung mit sich bringen. Die vorher etwas unübersichtliche Prüfung über Fachhochschulreife und erweiterte berufliche Kenntnisse wird nun ausschließlich für die Fachhochschulreife vorgesehen. Das ist natürlich der ureigene Sinn dieses Bildungsganges.

Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass es nicht allen Schülern gelingt, diese Prüfung zu bestehen. In den Fällen fand ich es durchaus sinnvoll, dass nicht die gesamte Prüfung als nicht bestanden angesehen werden musste, sondern unter Umständen wenigstens noch die „erweiterten beruflichen Kenntnisse“ erworben wurden. (Ein Versuch eines neben der Fachhochschulreife nur berufliche Kenntnisse vermittelnden Bildungsganges wurde übrigens vor einiger Zeit gestoppt.)

Die beruflichen Kenntnisse fallen in der Neufassung auch nicht weg. Sie werden unter den genannten Bedingungen nach Abschluss des Bildungsganges anerkannt, wenn „in allen Fächern des beruflichen Bereichs mindestens ausreichende Leistungen oder wenn mangelhafte Leistungen in nur einem Fach erzielt worden sind.“

Warum habe ich trotzdem im Ausschuss (alleine) dagegen gestimmt?

Ich bin unsicher, ob es wirklich eine Verbesserung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung darstellt. Meine Frage im Ausschuss wurde nicht wirklich beantwortet. Mir reicht die Begründung, dass sich das Zertifikat über erweiterte berufliche Kenntnisse nicht bewährt hat, nicht. Ich hatte in der Praxis im Berufskolleg durchaus den Eindruck, dass dies sinnvoll ist. (Meinungen aus meiner ehemaligen Schule erhoffe ich noch nachreichen zu können.)
Problematisch finde ich auch die rückwirkende Einsetzung für Schüler, die dieses Schuljahr im Bildungsgang angefangen haben. (Es stimmt aber, dass die Diskussion vor den Sommerferien bereits geführt wurde).

Ich sehe da eine weitere Problematik: Ich habe den Eindruck, dass es im Bestreben der Landesregierung liegt, das Berufskolleg zu schwächen. Ich bin da natürlich nicht unvoreingenommen, weil ich über 10 Jahre an einem Berufskolleg unterrichtet habe, aber ich halte diese Schulform für eine der vielfältigsten Möglichkeiten der Weiterbildung in diesem Land. Insofern bin ich nicht glücklich über diese Entwicklung. Die Landesregierung hat angekündigt, dass Schüler nicht mehr in so hoher Zahl zum Berufskolleg wechseln sollen, sondern direkt nach der allgemeinbildenden Schule eine Ausbildung beginnen sollen. (Da bleibt natürlich die Frage, wie das gehen soll in der praktischen Umsetzung…) Weiterhin sollen dann am Berufskolleg Lehrerstellen eingespart werden (von 500 war mal die Rede). Ich sehe das anders, weil ich der Auffassung bin, dass es sinnvoll ist, einen höheren Bildungsgrad zu erreichen. Am Berufskolleg geht dies in so vielfältiger Ausrichtung mit unterschiedlichsten Schwerpunkten. Hierfür möchte ich mich gerne einsetzen (obwohl ich natürlich sehe, dass dies bei den gegebenen Mehrheiten ein hoffnungsloses Unterfangen ist.)

Ein Gedanke zu „Änderung der APO-BK

  1. Aaron

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur zustimmen, das Berufskolleg ist sinnvoll.
    Meine Bildungsbiogrpahie führte mich von der Realschule über eben ein Berufskolleg, es folgten weitere Umwege u.a. (Voll)Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, nun an die UNI.
    Jede der Stationen hat meinen Wissens-Horizont definitiv erweitert.
    Bei aller Kritik die ich am Schulsystem und auch an meinen damaligen Kolleg, den Lehrer habe, bietet der Schultyp die Chance eine recht bunten Lernort zu schaffen an dem viel praktisches gemacht werden kann.Es gab eine große anzahl an Bildungsgängne an meinem Kolleg.
    Doch weis ich nicht wie es insgesamt aus Sicht der Bildungsforschung mit den Berufskolleg AbsolventInnen ausschaut, wie die „typische“ B.K Biographie aussieht.
    Gruß und alles gute für Deine politsch piratige Arbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.